Bissiges

Dezember 15, 2007

Garantiefall

Filed under: Eltern,Marotten,Mitmenschlichkeit — laempel @ 10:51 pm
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Wir Lehrer klagen ja dauernd darüber, dass wir für alle Missstände dieser Welt verantwortlich gemacht werden, sei es, dass Kinder zu wenig trinken oder lesen, in der Schule überfordert sind oder keine Chancengerechtigkeit besteht. Ein kleiner Blick über den Tellerrand hilft, um zu erkennen, dass dieses Phänomen, nämlich die eigene Verantwortung auf andere abschieben zu wollen, wohl einen gesamtgesellschaftlichen Trend darstellt, und nicht nur die Lehrerschaft betrifft. Zu beobachten ist dies nämlich auch im Handel — wenn Ware zurückgegeben wird.

 

Neulich beim Computerhändler um die Ecke. Als der Oberlehrer den Laden betrat, um den Rechner des halbwüchsigen Sohnes zu Weihnachten erneut aufmotzen zu lassen, bemerkte er als Erstes den sehr gelassenen Inhaber, auf den eine wütende Kundin (offenbar Mutter eines Sohnes) heftigst und wenig freundlich einredete. Der Händler hielt einen Mausstecker in der Hand und mühte sich ab, die völlig verbogenen Kontakte wieder geradezurücken. Selbstverständlich lag es an der Maus, dass die Kontakte verbogen, als der Junge versuchte, sie einzustecken, und nicht daran, dass vielleicht doch vielleicht die Bemühungen etwas zu heftig waren …. (Merkwürdigerweise passte der Stecker jedoch einwandfrei in alle Geräte, nachdem er wieder zurechtgebogen war, was die gute Frau mit den Worten „Ich bin doch nicht blöd!“ quittierte.) Mit welcher Gelassenheit der Händler ihr die fünf (!) Euro zurückzahlte — bewundernswert. Es ist zu erwarten, dass, sollte diese Kundin oder deren Sohn jemals wieder diesen Laden betreten, die Ware nicht vorhanden oder erst nach mehreren Jahren wieder lieferbar sein wird. 😉

 

Der Oberlehrer musste unwillkürlich an einige frustrierende Elterngespräche der letzten Zeit denken. Selbstverständlich lag es nicht an den nicht gemachten Hausaufgaben oder gar an der Unkonzentriertheit des Kindes, wenn die Versetzung gefährdet war oder sogar verpasst wurde. Es lag auch nicht daran, dass sich die Eltern überhaupt nicht darum kümmerten, wie das Kind seine Freizeit verbrachte. Ohne Frage waren die unfähigen Lehrer schuld, die es nicht verstanden, den Stoff interessant zu vermitteln.

Auch wenn man manchmal wünschte, eine ähnliche Option wie der Computerhändler zu haben — im Interesse der Kinder wird man sich immer wieder mit solchen Eltern abmühen und versuchen über Hintertürchen und Umwege doch kleine Veränderungen zu erreichen.

Oktober 23, 2007

Auf der Autobahn

Filed under: Marotten — laempel @ 8:36 pm
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Autobahnfahrten sind ein Erlebnis für sich, vor allem, wenn man als Provinzler nicht allzu oft in die Verlegenheit kommt und wenn man ein Durchschnitts-Kfz betreibt, das mit den antriebsstarken Protzschüsseln aus Stuttgart bzw. München nun einmal nicht mithalten kann.Das Gefühl, mit sanfter Gewalt von der Überholspur gedrängt zu werden, gehört nicht zu den angenehmeren. Beliebt ist auch das Herumschlängeln, bei dem im Wechsel links und rechts alle Langsameren geschnitten werden — vorzugsweise erfolgt der letzte Schlenker von der linken auf die rechte Spur kurz vor der nächsten Ausfahrt, in die dann haarscharf eingebogen wird. Sollte von den so Überholten einer vor Schreck ins Schlingern geraten, tickt sich der davonbrausende Alleskönner an die Stirn und setzt ein paar deftige Flüche ab ob der Sonntagsfahrer, die sich so unverschämterweise auf deutschen Straßen herumtreiben.

Interessanter ist da nur noch das Verhalten im Stau, das bei vielen nach dem Motto abläuft „Hauptsache ich komme einen Zentimeter weiter“. Beim Einfädeln drängelt Autofahrer sich gleich noch mit in die Lücke, die sich der Vordermann erschlossen hat — dass der Autofahrer dahinter voll in die Eisen steigen muss und so einen Auffahrunfall provoziert, interessiert weiter nicht. Geht es in Zweierreihen im Schneckentempo voran, ohne dass ein Hindernis zu erkennen ist, muss der Ungeduldige natürlich in die Mitte rücken, um zumindest die Chance auf einen Blick zu erhaschen. Gut, wenn davor nicht einer darauf angewiesen ist, dass ein Rettungswagen möglichst schnell zu ihm vorstößt. Ansonsten: Pech.

Im Gegensatz dazu fährt der Oberlehrer nach dem Motto: Besser ich stehe im Stau, als dass ich ihn verursacht habe. 😉

 

September 9, 2007

Sitzordnung im Lehrerzimmer …

Filed under: Arbeitsbedingungen,Marotten — laempel @ 9:36 pm

… das ist eine heikle Angelegenheit, besonders für Neuankömmlinge. Am ersten Tag den falschen Platz zu wählen, kann dazu führen, dass man Feinde fürs Leben gewinnt, die einem den Berufsalltag schwer machen. Lehrer reagieren äußerst empfindlich darauf, wenn sie befürchten, jemand wolle ihnen etwas fortnehmen. Da hilft auch kein noch so freundliches und ehrliches Entschuldigen nach dem Missgeschick. Der Anspruch auf den eigenen Platz, auch wenn er objektiv nicht besteht, wird vehement verteidigt, selbst über den Anlass der Aufregung hinaus.

Neben der Sitz- ist auch noch die Ordnung auf den Tischen sehr aufschlussreich. Der Oberlehrer maßt sich zwar nicht an, aus dem Zusammenspiel von Büchern, Heften, Schreibmaterialien tiefenpsychologische Rückschlüsse zu ziehen, allerdings sagt dies doch mehr über den Betreffenden aus, als er manchmal wahrhaben möchte. Grundsätzlich zu unterscheiden wären die Ordnungsfanatiker und die Chaotiker, wobei es zu interessanten Szenen kommt, wenn die Vertreter dieser Gattungen zufällig an einem Tisch sitzen. So könnte die sich muränenartig ausbreitende Masse an Heftern und Materialien des Geographielehrers für eine heftige Reaktion des gegenübersitzenden Mathematikkollegen sorgen, der stets peinlich genau darauf achtet, dass alle seine Unterlagen im rechten Winkel zueinander angeordnet sind. Für Miss-Stimmung sorgt es auch, wenn Fremdsprachenlehrer so viel Anschauungsmaterial mitbringen, dass die Tischfläche nicht ausreicht, sondern auch der Fußboden belegt wird, sodass alle anderen darüber stolpern.

An jedem Tisch gibt es  ein Missverhältnis zwischen den Organisierten und den Schnorrern. Während die einen Schalen oder Ständer mit Stiften, Klebe, Schere, Heftklammern, Notizpapier auf ihrem Tisch angeordnet haben, bedienen sich die anderen ungeniert, um sich dann lauthals zu beschweren, dass nirgends im Lehrerzimmer auch nur ein Stift aufzutreiben sei. In einigen Lehrerzimmern muss man sogar darauf achten, dass die fahrlässig auf dem Tisch deponierten Unterrichtsvorbereitungen nicht von gierigen Kollegen eingemeindet werden. Und wer Nervennahrung wie Kekse oder Süßigkeiten unbewacht liegen lässt, ist selbst schuld, wenn er sie am Ende des Unterrichtstages nicht mehr wiederfindet ….

August 10, 2007

Ansprüche

Filed under: Freizeit,Marotten — laempel @ 9:46 pm

Je älter man wird, desto größer wird die Sehnsucht nach Komfort. Während der Studentenzeit reichten Fahrrad und Trampen aus, um das Bedürfnis nach Mobilität zu befriedigen. Der große Luxus war der erste Golf I, Grundausstattung, gebraucht natürlich. Doch jetzt sollten die Sitze möglichst beheizbar sein, Servolenkung, Klimaanlage und, und, und. Etwas mehr PS (um hier den altmodischen Begriff zu verwenden) dürften es auch schon sein, um den Fahrer in der Rostklitsche vor einem möglichst schnell hinter sich zu lassen ….

Und erst der Urlaub. Reichten früher ein einfaches Iglu-Zelt, ein Schlafsack und eine Luftmatratze, so darf es heute doch etwas bequemer sein. Wenn Campen, dann als Wohnmobilist: bequeme, rückenschonende Matratzen, eigene Wasch- und Kochgelegenheit anstelle der Campingplatz-Sanitäranlagen, ein Dach über dem Kopf, um nicht bei Unwetter abzusaufen …. Oder sollte man nicht gleich eine Pauschalreise buchen?

Juli 22, 2007

Arbeitszimmer aufräumen

Filed under: Arbeitsbedingungen,Marotten — laempel @ 11:53 pm

Regenwetter hat auch sein Gutes: Am Ende der ersten Ferienwoche gibt es keine Ausrede mehr, warum man noch nicht zum Beseitigen des Chaos schreitet, das sich in den letzten beiden Schulwochen im Arbeitszimmer ausgebreitet hat. Nicht nur auf dem Schreibtisch, nein auch auf dem Fußboden und der Fensterbank türmen sich Stapel der unterschiedlichsten Materialien, die „erst einmal“ dort abgelegt worden waren, um sie dann später „in Ruhe“ einzusortieren. Schließlich muss ein ganzes Schuljahr abgewickelt werden: Kopien von Notenlisten und Lernplänen müssen vernichtet werden, das verwendete Material so abgelegt werden, dass es sich in einem oder mehr Jahren problemlos wiedergefunden werden kann, und vor allem: Es muss sehr viel weggeschmissen werden. (Schon in den Osterferien kam hier ein voller Wäschekorb zusammen.)

Merkwürdigerweise produziert Aufräumen zunächst einmal eine noch größere Unordnung: Selbstverständlich kippte der Schredder um, sodass die ganzen Mini-Papierfetzen sich mehr oder weniger elegant über den Teppich verteilten. Und wer hatte bitteschön alle Fenster im Haus offengelassen und so einen effektiven Durchzug erzeugt? Ähnlich erging es beim Wegsortieren: Waren zunächst noch Teile der Schreibtischoberfläche zu sehen, verschwanden sie im Laufe des Vormittags unter den fünf (oder waren es zehn) gleichzeitig geöffneten Aktenordnern, in die offizielle Post, Klassenarbeiten, Unterrichtseinheiten und andere noch nicht wegzuwerfende Zettel abgeheftet werden mussten.

Da das Wetter um die Mittagszeit herum aufklarte und so interessantere Aktivitäten ermöglichte, ist der Prozess noch lange nicht beendet. Immerhin, die Fensterbank ist jetzt frei, ebenso neunzig Prozent des Fußbodens. Dafür türmt sich ein umso höherer Berg auf der Schreibtischplatte. Nur um die Tastatur herum ist genübend Freifläche verblieben, um hier eine komfortable Bedienung zu ermöglichen. Bis hier wirklich wieder Ordnung herrscht, müssen noch mehrere Regentage ins Land gehen…

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