Bissiges

November 26, 2007

Gedanken zum Totensonntag

Filed under: Mitmenschlichkeit — laempel @ 2:21 am
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… oder Ewigkeitssonntag, wie ihn der Pastor nannte. Das Monopol, sich würdig um die Verstorbenen und vor allem die Hinterbliebenen zu kümmern, hat der Kirche bisher noch keiner nehmen können. Imposante Räumlichkeiten mit umwerfender Akustik und opulenter Einrichtung sowie gleichermaßen eindringliche wie festgefügte Rituale halten den Trauernden fest, binden ihn in einen Rahmen.
Auch der Oberlehrer hat in diesem Jahr liebe Angehörige verloren, und so fand er sich nun in der Kirche wieder, um dieser Verstorbenen zu gedenken. Der Pasor versuchte den Anwesenden Mut zu machen: „Der Tod ist der Eingang zu dem wahren Leben. Gott nimmt uns zu sich und gibt uns einen geistlichen Leib. Sorgt euch nicht, denn die Verstorbenen sind in seiner gütigen Hand. Und findet Trost darin, dass es dereinst dort ein Wiedersehen geben wird.“
Ein Wiedersehen, und das für die Ewigkeit. Zunächst einmal scheint das sehr tröstlich. Endlich kann man den Lieben, die zu schnell gegangen sind, all das Unausgesprochene mitteilen, all die Fragen stellen, die noch offen geblieben sind, den letzten Streit beilegen, in dem man sich getrennt hat. Doch beim Weiterdenken kommen erste Zweifel: Wenn Gott allen ihre Sünden vergibt und sie bei sich aufnimmt, dann müsste man in diesem ewigen Reich auch all diejenigen treffen, die einem schon das Leben auf der Erde vergällt haben: Großväter, die ihre Familien noch bis in die Enkelgeneration terrorisiert haben; Geschwister, die beim Tode der Eltern wie die Heuschrecken über die Hinterlassenschaften hergefallen sind; den Schwager, der eine Cousine als Kind missbraucht hat, den Nachbarn, der einem jedes vom Baum gefallene Blatt wieder über die Hecke zurückgeworfen hat; Kollegen, die jede Gelegenheit genutzt haben, sich auf Kosten anderer zu profilieren … um hier nur einmal die harmloseren, eher alltäglichen Fälle zu nennen.
In der Ewigen Welt wird man diesen nicht ausweichen können. Vereint von einem Gütigen Gott, wird man mit diesen unangenehmen Zeitgenossen — und all denen, die sich schon seit Ewigkeiten dort angesammelt haben — zusammengeworfen sein. Im Gegensatz zum diesseitigen Leben kann man dann nicht mehr darauf hoffen, dass die Zeit hilfreich eingreift ….
Bei diesen Aussichten verzichtet der Oberlehrer doch lieber auf ein Weiterleben nach dem Tode — auch um seinen Schülern peinliche Szenen im Jenseits zu ersparen.

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November 12, 2007

Kopfprämie für Mütter

Filed under: Eltern,Politik — laempel @ 10:51 am
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Aus eigener Erfahrung weiß der Oberlehrer, wie angenehm es ist, bei der Heimkehr ein frisch geputztes Haus und ein dampfendes Essen vorzufinden. Wie entspannend auch, wenn sich jemand anderes um die Hausaufgaben der Kinder, Arztbesuche und den täglichen Taxidienst kümmert.
Aus diesem Grunde muss er durchaus Verständnis für die CSU-Herren äußern, die nun in das neue Familiengesetz ein Betreuungsgeld für Hausfrauen (und -männer?) haben hineinschreiben lassen (s. auch den Artikel in der netzeitung). Auch wenn dieser Anspruch erst 2013 in Kraft treten soll, so muss man ihnen dazu gratulieren, dass sie sich den oben beschriebenen Luxus auch noch auf Kosten des Steuerzahlers finanzieren lassen.Tatsächlich wird dieser Passus den Status Deutschlands als frauen- und familienpolitisches Entwicklungsland noch weiter zementieren:

 

  • Frauen werden nach der Geburt eines Kindes weiterhin zu lange zu Hause bleiben und damit den Anschluss an die Berufswelt verlieren, weil sich die Aufnahme einer Beschäftigung finanziell nicht lohnt. (Die Konsequenzen im Falle einer Scheidung oder der Arbeitslosigkeit oder sogar dem Tod des Ehepartners können verheerend sein.)
  • Kinder, die wegen der Überforderung ihrer Eltern zu Hause nicht genügend Anregung erhalten, bekommen auch weiterhin keinen frühzeitigen Zugang zu Bildung, da die Eltern (wenn auch gut gemeint) lieber das Geld nehmen werden, anstatt ihr Kind in eine Krippe zu geben. Selbst wenn das zusätzliche Geld für die Kinder aufgewendet wird, was in der Mehrzahl der Fälle sogar in übertriebenem Maße geschieht (Handys, Markenkleidung, Playstation etc.), so kann dies schwerlich die fehlende frühkindliche Bildung ersetzen.

 

Es wird hier also eine Chance vertan, genau die zu erreichen, die es am nötigsten haben. Selbst der Passus, dass bei Gefährdung des Kindeswohls der Besuch einer Kinderkrippe Pflicht werden solle, ist hier nur Augenwischerei. Wer soll denn das überprüfen? Die völlig überforderten Jugendämter vielleicht? Solange die noch nicht einmal reagieren, wenn Lehrer sich hilfesuchend an sie wenden, weil ein Kind wochenlang den Unterricht schwänzt, oder wenn eine alleinerziehende Mutter um Erziehungshilfe bittet, weil sie befürchtet, dass ihr Sohn in die Kriminalität abrutscht (Dieser junge Mann büßt übrigens zurzeit eine mehrjährige Haftstrafe ab.), solange wird man nicht erwarten können, dass sich die Jugendämter um so etwas Banales wie frühkindliche Förderung kümmern.

Es ist zum K…, wie es den Ewiggestrigen, den satten Mittelstandsbürgern immer wieder gelingt, Politik für ihre Klientel auf Kosten der wirklich Bedürftigen — der Kinder — zu machen.

November 7, 2007

Sparen

Filed under: Arbeitsbedingungen,Politik — laempel @ 11:01 pm
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Das Land Schleswig-Holstein muss sparen, weil mal wieder ein Milliarden-Defizit im Haushalt klafft. So stand es jedenfalls am Wochenende in der Zeitung. Für Alt-Schleswig-Holsteiner kommt das nicht überraschend. Seit der Oberlehrer angefangen hat, sich für Politik zu interessieren — was so lange her ist, dass er sich an den konkreten Auslöser gar nicht mehr erinnern kann — geistert dieses Wort vom Sparen durch die Lande. Meist ist es verbunden mit der Forderung, die Beamten — und darunter besonders die Lehrer — müssten auch einmal ihren Beitrag leisten. (Kommt in der Otto- und Emma-Normalbevölkerung gut an, denn schließlich gehört der Lehrerberuf zu den bestbezahlten Halbtagsjobs der Welt.)

Diese Sparrunden kommen mal offen daher (Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld), mal etwas verdeckter (Stundenerhöhung) und dann völlig verdeckt (Streichung der Anrechnung von Leitungsaufgaben — in anderen Bundesländern wird z.B. die Leitung einer Fachschaft als Arbeitszeit angerechnet — sowie Beförderungsstau bzw. zeitweiliger Beförderungsstopp, um auch noch dem letzten Beamten klarzumachen, dass Leistung sich nun wirklich nicht lohnt). Interessant ist nur, dass sich, obwohl seit Jahrzehnten „gespart“ wird, das Haushaltsdefizit nicht verringert, sondern sich wundersamerweise vermehrt — oder beruht diese Einschätzung nur auf subjektivem Empfinden?

Lassen wir uns also überraschen, welche interessante Sparlösung sich unsere Politiker wieder ausdenken. Dass eine kommen wird, betrachtet der Oberlehrer mittlerweile als Naturgesetz. Schließlich muss genügend Geld in den Töpfen bleiben, damit so überaus innovative Projekte mit Millionenbeträgen gefördert werden können wie das Verbessern des „Plopp“-Geräusches von Bierflaschen mit Bügelverschluss. 😉

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