Bissiges

März 23, 2015

Wie die Zeit vergeht

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 8:45 pm
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… immer schneller. Zumindest seit den letzten zehn Jahren, und nicht erst seit sich geopolitisch die Ereignisse mit der Griechenlandkrise, dem Arabischen Frühling, dem Krieg in Syrien, dem unerkärten Krieg Russlands gegen die Ukraine, dem Durchmarsch des IS, den islamistischen Anschlägen in Frankreich und Dänemark, der Griechenlandkrise überschlagen.

Unsere Schulbehörde will da natürlich mithalten: Neue Fachanforderungen für das Abitur? Müssen umgesetzt werden, fast noch bevor sie beschlossen wurden. Neue Aufgabenformate? Erst einmal beschließen — Bewertungskriterien werden in Aussicht gestellt. Länderübergreifendes Abitur? Ja gern, aber durchwursteln muss sich jede Schule wieder allein.

Früher, als man noch optimistisch und hoffnungsvoll war, haben wir Jungen über die Älteren gelästert, die zu unflexibel und nicht mehr bereit waren, sich auf Neues einzustellen. Inzwischen, nachdem gefühlt neunzig Prozent der engagiert erstellten Konzepte sich schneller überlebt haben, als dass man sie zuende ausarbeiten konnte, macht sich mehr Gelassenheit breit. Man muss nur lange genug warten, dann kann man die ein oder andere Neuerung überspringen. Wieso sich also überhaupt mit etwas befassen, was in einem halben Jahr eh keine Gültigkeit mehr hat?

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März 19, 2013

Sponsoring

Alle Welt regt sich über Ärzte auf, deren Kongresse und Fortbildungen von der Pharmaindustrie gefördert werden. Und nicht erst seit  den unseligen Vorgängen um unseren Ex-Bundespräsidenten wird  Politikern generell unterstellt, dass sie sich von Lobbyisten aushalten lassen. Man sollte also meinen, dass alles unternommen würde, damit Lehrer von Werbe-Aktivitäten unabhängig bleiben. Schließlich ist Werbung aus der Schule herauszuhalten.

In einer idealen Welt wäre dies der Fall, doch die Tendenz geht seit längerem in die entgegengesetzte Richtung. Dass Lehrer von Frei-Exemplaren und Prüfangeboten der Verlage profitieren, ist noch die harmloseste Form von Marketing. Immerhin kann man selbst entscheiden, von welchem Verlag man die Angebote annimmt. Bedenklicher ist schon, dass die großen Schulbuchverlage in den letzten Jahren verstärkt Fortbildungsangebote zu lehrplanrelevanten Themen anbieten. Hier wird — analog zu den oben erwähnten Ärztekongressen, nur nicht ganz so luxuriös — zu kostenlosen Tagungen eingeladen, auf denen die entsprechenden Medien des Verlags und deren Einsatz im Unterricht vorgestellt werden.

Letztlich weiß man jedoch als Teilnehmer, worauf man sich hier einlässt. Keiner erwartet auf einer solchen Veranstaltung, dass auch die ebenso guten Produkte des Konkurrenzverlags präsentiert werden. Wenn man also diese Gelegenheit nutzt, um sich einen Einblick in ein Thema zu verschaffen und möglichst mit Ansichtsexemplaren der Materialien versorgt nach Hause zu gehen, ist es nicht sonderlich problematisch, solange man für Alternativen und unabhängige Materialien offen bleibt. Das größte Problem besteht darin, dass diese Veranstaltungen auf eine so große Resonanz zu stoßen scheinen, dass sie sich für die Verlage lohnen. Immerhin stehen sie in Konkurrenz zu den öffentlichen Fortbildungsangeboten, die längst nicht alle ausgebucht sind. Liegt das nun an der Qualität oder an der Abstaubermentalität der Lehrkräfte?

Zumindest das IQSH in Schleswig-Holstein ist offenbar der Meinung, dass es mit Hilfe der Verlage die Qualität seiner Fortbildungsangebote steigern kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass es sich — zumindest im Fachbereich Englisch — immer wieder Verlagsvertreter ins Haus holt, sodass sich eine Fortbildung z.B. mit dem Titel „Einsatz von Medien im Englischunterricht“ als Buchvorstellung entpuppt, in der vom Autor oder einem Verlagsreferenten ein Lehrwerk eines bestimmten Verlages vorgestellt wird. Die Rolle des IQSH-Referenten besteht darin, zu Beginn den Gast zu begrüßen, sich abschließend zu bedanken und auf die Materialien des Verlags hinzuweisen. Weitergehende Informationen zu diesem Thema, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Material oder gar Aufzeigen möglicher Alternativen — Fehlanzeige.

Dass diese Veranstaltungen  ernsthaft als Fortbildungen angeboten werden, wirft ein interessantes Licht auf den Stellenwert, den Weiterbildung von ganz offizieller Seite aus im Lehrerberuf einnimmt: Die Qualität ist egal, Hauptsache wir bieten überhaupt etwas an. Dafür, dass sie sich einen Überblick über ein Thema verschaffen, haben die Lehrkräfte selbst zu sorgen.

Juli 5, 2010

Bildungsdemo 03.07.

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 12:01 am

Dass das Maß mit der Pflichtstundenerhöhung zum 01.08.2010, dem Herumdoktorn an der Profiloberstufe und dem ewigen Hin und Her um G8 oder G9 bei gleichbleibender Unklarheit über die Umsetzung endgültig voll ist, zeigten Schüler, Eltern und Lehrer am Samstag (!) in Kiel. Dem Aufruf des Hans-Geiger-Gymnasiums waren immerhin 500 Protestierende nicht nur aus Kiel, sondern auch aus dem weiteren Umland gefolgt .

Mit einem kleinen Wald dieser Plakate zogen die Vertreter der AVS Itzehoe los:

Und hier noch eine Collage weiterer Transparente:

Mai 10, 2010

Das Y-Modell

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 8:32 pm
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Nein, es soll hier nicht der neueste Sportwagen vorgestellt werden. Auch nicht ein die Schulterpartie betonendes Outfit. Das Y-Modell hat tatsächlich etwas mit Schulentwicklung zu tun.

Mit dem von der letzten – großen – Koalition beschlossenen Schulgesetz hat Schleswig-Holstein eine der buntesten Schullandschaften in der Bundesrepublik erhalten. Die Gymnasien befinden sich derzeit in der Übergangsphase von G9 zu G8, Haupt- und Realschulen bestehen derzeit nur noch als Auslaufmodell (oder was ist aus der Kampagne zur Erhaltung der Realschulen eigentlich geworden?) und müssen sich als  Gemeinschafts- oder Regionalschulen neu organisieren. Ehemalige Gesamtschulen sollen sich zu Gemeinschaftsschulen weiterentwickeln.  In Bezug auf die Förderschulen fehlt mir zwar der Einblick, aber insgesamt kann man sagen, dass es derzeit im Sekundarbereich keine Schule gibt, die sich nicht im Umbruch oder Aufbau befindet.

Ist dieses Schulgesetz schon ein unglücklicher Kompromiss widerstreitender Interessen — die CDU wollte die Mehrgliedrigkeit erhalten, während die SPD auf „längeres gemeinsames Lernen“ Wert legte –, so wird es jetzt noch unübersichtlicher. Der neue Bildungsminister (FDP), der vor der Wahl versprochen hat, die schlimmsten Auswüchse zu korrigieren, wird derzeit offenbar mit so vielen widerstreitenden Interessen konfrontiert, dass das Ergebnis, eben das Y-Modell, nur als Herumlavieren bezeichnet werden kann. Schulen sollen jetzt wählen dürfen, ob sie G8, G9 oder beides (Y) anbieten wollen. Da aber sichergestellt werden soll, dass jeder Schüler den achtjährigen Weg zum Abitur antreten kann, müssen die ländlichen Gymnasium beides anbieten, sowohl einen G8-  als auch einen G9-Zweig. Das alles muss natürlich erst noch Gesetz werden und wird voraussichtlich nicht vor dem übernächsten Schuljahr in Kraft treten, sodass in diesem Sommer erneut an allen Gymnasien ein G8-Jahrgang startet.

Spaßig wird wieder die Umsetzung werden: Wird es mehr Lehrer geben, um die zu erwartenden höheren Anzahlen an Klassen zu bewältigen? Wie geht man vor, wenn die Wahl äußerst ungleichmäßig  ausfällt, also z.B. nur zehn Schüler eines Jahrgangs das Turboabi wählen?   Wer definiert, was im G8- respektive im G9-Bildungsgang gelehrt wird? Soll dies wie bei der Einführung von G8 wieder jedes Schulkollegium für sich entscheiden oder wird es tatsächlich mal wieder Lehrpläne geben?

Zu befürchten ist, dass auch unter dem neuen Bildungsminister weitergewurschtelt wird wie bisher, denn derzeit ist nichts zu erkennen, was irgendwie nach vorausschauender Planung aussieht.

Dezember 6, 2009

G8 oder G9

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 10:49 pm
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Nachdem die Regierung bei uns in Schleswig-Holstein gewechselt hat, ist nun wieder alles offen oder besser: soll wieder geöffnet werden. Abhängig von einem Volksbegehren soll ggf. die Möglichkeit eröffnet werden, die Realschulen als unabhängige Schulen zu erhalten. Und Gymnasien sollen entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten — oder beides.

Was so schön einfach klingt, ist in Wahrheit sehr kompliziert. Um das Schulgesetz zu ändern, benötigt die Koalition noch mindestens bis zum nächsten Sommer. Erst wenn das entsprechende Gesetz steht, kann in den Schulen sinnvollerweise ein Diskussionsprozess einsetzen, wie nun damit zu verfahren ist, um dann am Ende in den Schulkonferenzen eine Entscheidung zu treffen. Wenn man erst einmal an diesem Punkt angelangt ist, dann werden die Schulen feststellen, dass sie die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub — und Mephisto — haben.

G8 ist vor allem bei Eltern und Schülern unbeliebt. Selbst im 5. Jahrgang, in dem noch fast alles wie beim Alten ist, fühlen sich Schüler unter Druck gesetzt, ob sie den Anforderungen wohl genügen werden. Die Folge: Obwohl noch keine Rechtsgrundlage herrscht, wird lautstark von Elternseite gefordert, die Reform rückgängig zu machen. Ein Beharren auf G8 würde also zur Verhärtung der Fronten führen.

Die Rückkehr zu G9 birgt auch so einige Tücken. Zumindest die beiden jetzt laufenden Unterstufenjahrgänge können nicht mehr so ohne Weiteres umgestellt werden, d.h., diese Schüler müssten in jedem Fall das Abitur nach zwölf Jahren machen. Außerdem stellt sich die Frage, wie man mit denjenigen verfahren soll, die von einer G8- in eine G9-Klasse zurücktreten. Und auch wenn es schnöde klingt, ein Kostenargument: Für die beiden laufenden G8-Jahrgänge haben die meisten Schulen schon neue Schulbücher angeschafft und müssten noch weitere anschaffen, um den Unterricht bis zur neunten Jahrgangsstufe sinnvoll weiterzuführen. Diese Schulbücher ließen sich aber nur unter Schwierigkeiten im längeren Bildungsgang einsetzen. Folge wären entweder höhere Kosten für neue Bücher oder ein mittelgroßes Gewurschtel mit solchen, die nicht auf den Bildungsgang zugeschnitten sind.

Der scheinbare Kompromiss, doch beide Jahrgänge nebeneinander anzubieten, sieht auch nur auf den ersten Blick gut aus. Er würde dazu führen, das die Leistungsträger eines Jahrganges sich in einer Klasse treffen, sodass in den anderen die Zugpferde fehlen. Wahrscheinlich würde der G8-Zug sogar relativ klein ausfallen, sodass die Leistungsstärksten auch noch die optimalen Lernbedingungen erhalten, während die Leistungsschwächeren mit all den begleitenden Problemen sich in überfüllten Klassen tummeln und nicht die Zuwendung erhalten, die sie eigentlich benötigen.

Hat man es am Anfang verpasst, eine Reform so durchzuführen, dass sie von allen Beteiligten akzeptiert wird, so ist es am Ende schwer, wieder aus dieser Falle herauszukommen. Auf Ruhe an den Schulen, welche die Besinnung auf das Wesentliche — guten Unterricht — erst wieder ermöglicht, werden wir wohl noch lange warten müssen.

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