Bissiges

März 26, 2007

Abiturienten

Filed under: Abitur,Schülerverhalten — laempel @ 9:37 pm

Das Abitur wurde einmal auch Reifezeugnis genannt. Einige benutzen diese Bezeichnung immer noch. Wahrscheinlich hängt dieser Name damit zusammen, dass diejenigen, welche diese Bescheinigung nach zwölf, dreizehn oder auch mehr Jahren Schulzeit erwerben, so lange durchgehalten haben. So wie guter Wein oder Käse durch eine längere Reifung ihre Qualität erhalten, so werden auch die Schüler gelagert, in der Hoffnung, dass am Ende eine ausgebildete, gereifte Persönlichkeit die Anstalt verlässt.

Was Persönlichkeit angeht, so soll die den Abiturienten nicht abgesprochen werden. Es ist immer wieder bewundernswert, welche Facetten menschlichen Geistes, welche Kreativität, welche Lebenslust zu beobachten sind. Ob es aber unbedingt etwas mit Reife zu tun hat, wenn nach dem schriftlichen Abitur so intensiv gefeiert wird, dass einem am nächsten Schultag allein von der Raumluft schwindlig wird und der ein oder andere Schüler den Kopf nicht mehr von Tisch heben kann? Auch die Sitte, nach Abschluss der Klausuren gegenüber anderen obszöne Gesten von sich zu geben — bis hin zur Entblößung privatester Körperteile — zeugt nicht gerade von gutem Geschmack.

Da fragt sich der Oberlehrer nur, wie die künftige Verkürzung der Schulzeit sich auf die Qualität der Jahrgänge auswirken wird.

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März 5, 2007

Kräfte dosieren

Filed under: Abitur,Schülerverhalten — laempel @ 7:43 pm

Abitur ist ein Spiel mit Regeln. Es muss zum Bestehen eine bestimmte Punktzahl erreicht werden. Strebt man einen bestimmten Studienplatz an, sollte die Punktzahl schon noch etwas höher liegen. Die Prüflinge, welche in diese Kategorie fallen, zeichnen sich in der Regel durch ein langfristiges Engagement sowie eine relative Zielgerichtetheit ihrer Lernbemühungen aus. Aus Lehrersicht also eher unproblematische Kandidaten.
Interessanter sind da diejenigen, welche die Grenzen dieses Spiels ausreizen. Es gilt, den Einsatz so geschickt zu dosieren, dass am Ende genau die benötigte Punktzahl erreicht wird. Jede auch noch so geringe Anstrengung, die darüber hinausgeht, wird als verschwenderische Verausgabung der eigenen Kräfte angesehen. Das Anfertigen schriftlicher Hausaufgaben bedeutet eine fast übermenschliche Herausforderung, hingegen wird wohldosiert alle paar Stunden einmal die Hand gehoben, um die entscheidenden Pünktchen für die mündliche Note zu ergattern. In der Zwischenzeit werden weitere Kraftreserven durch Nickerchen oder kleine Imbisse im Unterricht mobilisiert. Man kann ja nie wissen, welchen Herausforderungen man sich am Wochenende stellen muss.

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