Bissiges

Februar 19, 2011

Karl-Theodor-Ich-habe-mir-nichts-vorzuwerfen-Guttenberg

Filed under: Politik,Schülerverhalten — laempel @ 2:10 pm
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Ist das nicht herrlich? In Afghanistan sterben (nicht nur) deutsche Soldaten, die Bundeswehr (und mit ihr die Bundeswehrstandorte) steht vor der größten Umstrukturierung ihrer Geschichte, und die Öffentlichkeit muss sich damit auseinandersetzen, ob der Verteidigungsminister geschummelt hat.

Interessant ist an dieser ganzen Geschichte das Verteidungsmuster, in das der Freiherr jedesmal verfällt, wenn es darum geht, persönlich Verantwortung zu übernehmen. So z.B. in der Kundus-Affäre, in der mindestens 90 Zivilisten bei dem von Deutschen angeordneten Angriff auf von Taliban gestohlene Tanklastzüge ums Leben kamen. Erste Reaktion: „Ich stelle mich medienwirksam hinter meine Truppe, indem ich erkläre, dass dieser Angriff militärisch notwendig war.“  Zweite Reaktion, als  diese Sichtweise nicht mehr zu halten ist: „Wie komme ich da wieder raus? Ach ja — mir sind Informationen vorenthalten worden; dann müssen natürlich Köpfe rollen, aber es ist immerhin nicht meiner.“ (Jedem Lehrer ist dieser Reflex sattsam bekannt: „Die Hausaufgaben konnte ich nicht machen, mir hat keiner gesagt, was auf war.“)

Man vergleiche seine Reaktionen zu den Plagiatsvorwürfen: Zunächst erst einmal Stillschweigen; schließlich hat man als Verteidigungsminister Wichtigeres zu tun. Wahrscheinlich war sein erster Impuls, ähnlich wie in der Kundus-Affäre zu verfahren: „Für die Fehler in der Doktorarbeit kann ich nichts, schließlich wurde sie von XY geschr… Upps.“

Deshalb nun eine neue Strategie,  eine Presse-Erklärung vor ausgewählten Journalisten: Sehr schön zunächst der medienwirksame Einfall, den Doktortitel „ruhen“ zu lassen — so zeigt man Initiative! Aber auch die vorgeschaltete Erklärung hat es in sich: Ja, er habe Fehler gemacht; er bedauere jeden einzelnen zutiefst, aber seine Arbeit sei kein Plagiat. Bei so einer umfangreichen Arbeit, die  parallel zu seinen Aufgaben als Bundestagsabgeordneter und Familienvater angefertigt wurde (man beachte das Passiv, das er fast durchgehend verwendet), könne schon mal die ein oder andere Fußnote verrutschen.  (Auch hier wieder erstaunliche Parallelen zum Unterrichtsalltag an deutschen Schulen: Was, das halbe Referat ist Copy-and-Paste aus der Wikipedia? Also bei den Anforderungen, die derzeit an Schüler gestellt werden, kann es doch schon mal passieren, dass die Quellenangabe vergessen wurde. Außerdem hat es einem doch niemand richtig gesagt, dass man das so nicht machen darf.)

Abgesehen davon, dass es äußerst schwierig ist zu glauben, dass bei all den Passagen, die auf GuttenPlag aufgelistet wurden, die Quellenangaben durch den Druckfehlerteufel verschwunden sind, muss man sich fragen, wie jemand mit einem so ostentativ zur Schau gestellten Nichwissen in Bezug auf wissenschaftliches Arbeiten überhaupt bis zur Promotion gelangt ist: Doch, es ist ein Plagiat, wenn ich Zitate dieses Umfanges nicht kenntlich mache. Und wenn ich zu blöd dazu bin, dann fehlt mir schlicht und einfach die Eignung zum Studium.

Aber so kann man das natürlich nicht sehen. Ja, man hat Fehler gemacht. Ja, diese Fehler sind bedauerlich, aber in der Summe kann man dies doch dem armen Karl-Theodor nicht vorwerfen. Schließlich hat er sich zu der Zeit in äußerst schwierigen Lebensumständen befunden. Durch diese Argumentationsweise hat unser guter KT der Bedeutung „Verteidigungsminister“  eine interessante neue Dimensionen hinzugefügt, die ihm Generationen von Schülern danken werden.

März 11, 2009

Schwarze Löcher

Filed under: Politik — laempel @ 2:32 pm
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Flint spekuliert gerade über den Einfluss der Schwarzen Löcher im Alltag und kommt zu dem Schluss, dass alle mittelschweren Gravitationsprobleme auf diese zurückzuführen sind. Von dem Vorhaben, auch den Verbleib der verschwundenen Socken damit erklären zu wollen, kann ihm nur abgeraten werden. Es kann nur zu Irrwegen führen, denn  die Zusammenhänge sind hier viel naheliegender, als dass man  hierfür  Schwarze Löcher oder die Quantenphysik bemühen müsste.  Jeder weiß, dass die Textilindustrie mit der Waschmaschinenindustrie unter einer Decke steckt: In jeder Maschine ist ein Sockenannihilator eingebaut, der regelmäßig einen gewissen Prozentsatz an Socken aus dem Wirtschaftskreislauf entfernt, damit die Sockenproduktion nicht zum Erliegen kommt. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sich so auch die Maschinen schneller abnutzen.

Aber dies sind nur Kleinigkeiten oder Peanuts, wie Banker zu sagen pflegen, wobei jetzt das eigentliche Thema erreicht wäre. Denn die Schwarzen Löcher bedrohen mittlerweile unsere gesamte Zivilisation: Zurzeit bemerkt man allerorten, dass Geld in unvorstellbaren Größenordnungen einfach verschwunden ist.  Und das Erstaunlichste: Kaum ist ein Finanzloch entdeckt, tut sich auch schon das nächste auf — wie uns alle Finanzexperten der Banken einhellig versichern, alles ganz unvermittelt und unvorhergesehen. (Die Ähnlichkeiten zum schleswig-holsteinischen Landeshaushalt sind hier übrigens rein zufälliger Natur.)

Was sagt uns das jetzt in Bezug auf die Physik der Schwarzen Löcher? — Schwarze Löcher sind nicht nur physikalischen, sondern auch biologischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Wie jedes Lebewesen sind sie an einer möglichst hohen Reproduktionsrate interessiert, um das Überleben der Art zu sichern. Und im Augenblick haben sie eine dermaßen hohe Reproduktionsrate erreicht, dass es enormer Anstrengungen bedarf, die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu retten: Also Beamte, es ist endlich mal auch an euch, einen Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft zu leisten. Steckt zurück, verzichtet auf Lohnerhöhung oder besser noch, arbeitet länger, damit der Staat Stellen einsparen und so das Geld an die notleidenden Bankmanager überweisen kann!

Januar 2, 2009

Wo ist das Weihnachtsgeld geblieben?

Filed under: Politik — laempel @ 1:51 pm
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Der Oberlehrer ist beruhigt. Nachdem er im letzten Jahr befürchtet hatte, das gestrichene Weihnachtsgeld würde wirkungslos in einem der Schwarzen Löcher im Landeshaushalt verschwinden, so weiß er jetzt, dass wenigstens anderen Leuten damit etwas Gutes getan wird. Nachdem das Land Schleswig-Holstein mehrere hundert Millionen Euro eingesetzt hat, um die HSH-Nordbank zu stützen, reicht das Geld offenbar, um Prämien für Angestellte der Bank auszuschütten. Es ist ein schönes Gefühl, etwas an die abzugeben, die unter den widrigen Umständen der Finanzkrise immer noch ihre Zielvorgaben erfüllt haben.

März 11, 2008

Der Ehrliche ist der Dumme

Filed under: Politik — laempel @ 7:22 pm
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… oder wie hat man es zu verstehen, dass in den letzten Tagen ein solcher Druck auf die hessische Abgeordnete Dagmar Metzger ausgeübt wurde, ihr Amt niederzulegen?  Immerhin hat sie, indem sie die von Frau Ypsilanti favorisierte Kooperation mit der Linkspartei ablehnte, höchstwahrscheinlich eine endlose Wurschtelei in Hessen verhindert.  Ob nun aus Gewissensgründen, politischem Kalkül oder verletztem Stolz, dass man es nicht für nötig hielt, sie in den Diskussionsprozess mit einzubeziehen — das sei einmal dahingestellt.

Aber nun braucht man einen Sündenbock: Sie ist schuld, dass dieses aberwitzige Experiment gescheitert ist, bevor es auch nur begonnen hat. Selbst wenn sie jetzt Rückendeckung von Peter Struck erhält und nicht aus der Fraktion ausgeschlossen wird, wie wohl schon angedroht wurde, ihre politische Karriere dürfte auf der Kippe stehen, wenn nicht gar beendet sein. Etwas bleibt immer hängen, vor allem, wenn es irgendwie mit „Verrat“ zu tun hat. Fein raus sind vielmehr diejenigen, die sich die ganze Zeit hinter ihr versteckt, ihre Bedenken nur hinter vorgehaltener Hand oder verklausuliert geäußert, dabei aber brav für dieses Experiment gestimmt haben, um es sich nur ja nicht mit den Mächtigen zu verderben. Sie haben sich ja nichts zuschulden kommen lassen und dürfen mit wohlwollender Berücksichtigung bei der Vergabe von Ämtern und Posten rechnen.

Höchstwahrscheinlich hätte der eine oder die andere sich dann bei der geheimen Abstimmung verweigert und so der Möchtegern-Ministerpräsidentin eine noch größere Blamage beschert, ähnlich wie ein noch immer unbekannter Abgeordneter in Schleswig-Holstein, der vor einigen Jahren durch seine standhafte Enthaltung die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis in vier erfolglosen Wahlgängen demütigte. Er war wohl schon länger im Geschäft und wusste, was ihn erwarten würde, wenn er seine Meinung öffentlich äußerte. Wie der Fall Metzger zeigt: Dank und Anerkennung für mutiges und aufrichtiges Einstehen für seine Überzeugungen wäre wohl nicht unter den Reaktionen gewesen.

Und dann erwartet ihr Zivilcourage von ganz normalen Bürgern, liebe Politiker?

Januar 8, 2008

Jugendkriminalität

Filed under: Politik — laempel @ 11:58 am
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Da haben nun unsere Herren der Parteien mit dem „C“ im Namen entdeckt, dass die Gewalt unter Jugendlichen ansteigt und dass ein viel zu hoher Anteil davon von jungen Männern mit „Migrationshintergrund“ ausgeübt wird.Dass nun höhere Strafen und vor allem eine schnellere Abschiebung von jemandem wie Herrn Koch verlangt werden, kann niemanden ernsthaft überraschen. Der Oberlehrer nimmt ihm sogar ab, dass dies Teil einer langfristigen Strategie (nicht nur in Hessen) ist.
Man fängt damit an, dass man Integrationsarbeit, wo immer es geht, unterminiert. Öffentlich geförderte Sprachkurse für Einwanderer, so es sie denn jemals gegeben hat, werden zusammengestrichen, damit diese ja kein Deutsch lernen und sich vielleicht hier sogar heimisch fühlen könnten. Nicht auszudenken, wenn sie ihre hier geborenen Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache auch noch unterstützen würden! Fortgeführt wird diese Langfriststrategie im Kindergarten, den viele Kinder von Einwanderern gar nicht erst besuchen, da man für abschreckend hohe Gebühren gesorgt hat. In der Schule kürzt man dann die Stellen so zusammen, dass garantiert kein Geld für zusätzliche Förderkurse da ist, um die Schüler zumindest zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Sprache fit zu machen. Aus Jugendhilfeeinrichtungen und auch von den Jugendämtern wird genügend Geld abgezogen, damit auch ja keine Projekte greifen, die diesen Jugendlichen Wege aufzeigen könnten, in unserer Gesellschaft einen Platz zu finden.
Man muss dann nur noch lange genug warten, bis diese sich die ihnen dauernd verweigerte Bestätigung und Anerkennung auf anderem Wege holen, und jetzt kann endlich der bewährte deutsche Rechtsstaat zugreifen. Verurteilen, wegsperren oder besser noch ausweisen, damit wir diese Fremdkörper in unserer Gesellschaft endlich los werden. Und eine unausgesprochene Hoffnung schwingt mit: Wenn wir die Kinder abschieben — vielleicht gehen die Eltern dann gleich mit?

Analog könnte man diese Strategie für die Kinder des „Prekariats“ durchdeklinieren, aber im Moment bin ich genug damit beschäftigt, die Übelkeit zurückzuhalten. (Außerdem: Wohin sollen wir diese Jugendlichen ausweisen?)

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