Bissiges

Juni 17, 2007

Amtshilfe für den Weltfrieden

Filed under: Politik — laempel @ 11:26 pm

Die Aufregung ist groß. Da hat der Innenminister von MäcPom den Bund um Hilfe gebeten bei der Überwachung der demonstrierenden Horden anlässlich des G8-Gipfels. Selbstverständlich wurde dem stattgegeben, sodass jetzt entsetzt aufgeschrieen wird ob der Fakten, die da geschaffen würden (Einen guten Eindruck liefert Spiegelfechter — via Frank Hunk.).
Dabei war dies doch eine Frage der Ehre. Welchen Eindruck hätte es denn gemacht — zu einer Zeit da alle Welt zuschaute –, wenn so ein armes Land wie Mecklemburg-Vorpommern sich als schlechter, weil unfähiger Gastgeber präsentiert hätte? Wir sind doch wieder wer! Und wir lassen unsere Brüder und Schwestern im Osten nicht im Stich! Natürlich geben wir uns bei so einem globalen Ereignis nicht mit Kinkerlitzchen wie Polizeihubschraubern zufrieden. Nein, der ganzen Welt muss demonstriert werden, wie schlagkräftig unsere Truppe ist! Sollte noch jemand daran zweifeln, dass sie jederzeit ihren Mann im Kampf gegen den Terror steht? Nicht nur in Afghanistan, sondern verschärft im Binneneinsatz — das ist ein wahrer Einsatz für den Weltfrieden!

Juni 10, 2007

Strukturreform

Filed under: Mitmenschlichkeit,Politik — laempel @ 11:24 pm

Zur Zeit wimmelt es nur so von Strukturreformen. Alles soll vereinfacht, entschlackt, effizient werden. So auch der ärztliche Bereitschaftsdienst. In Schleswig-Holstein ist er gerade abgeschafft worden. Ach nein, die Struktur des Bereitschaftsdienstes wurde reformiert: Außerhalb der Sprechzeiten stehen den Patienten die Ambulanzen der Krankenhäuser bzw. ihnen angeschlossene Bereitschaftspraxen zur Verfügung.

Praktisch  sieht das so aus: Im (kleinstädtischen) Krankenhaus tut — wie schon vor der Reform auch —  ein Arzt Dienst in der Ambulanz. Gleichzeitig hat er noch die Notaufnahme zu betreuen und steht auf Abruf, wenn er auf einer Station benötigt wird. Für die Patienten bedeutet das Folgendes: Alle, die mit dem Rettungswagen angeliefert werden, haben Vorrang, ebenso die Patienten auf den Stationen. Wer im Wartezimmer in der Lage ist, noch halbwegs aufrecht zu sitzen, muss — warten, und zwar stundenlang. Heute sah dies so aus: mehrere Verletzte, die zum Verbandswechsel herbestellt waren; Patienten mit gequetschtem oder halb abgeschnittenem Finger; eine ältere Frau, die schwer gestürzt war und nicht mehr laufen konnte — sie alle saßen zunächst eine halbe Stunde im WARTE-Zimmer, bevor überhaupt einmal eine Schwester hereinschaute und sich einen Überblick verschaffte, und dann noch einmal zwei Stunden, bis die ersten  behandelt wurden.

Nun also die Regeln für den Arztbesuch am Wochenende: Dramatisieren Sie! Wenn es Ihnen nicht gelingt, dass Ihre Verwandten den Rettungswagen rufen, dann beißen Sie in der Ambulanz nicht etwa die Zähne zusammen, sondern laufen Sie bleich an, sacken langsam zur Seite weg und hoffen, dass Ihre Begleiter eine der wenigen Schwestern zu fassen bekommen, die Sie dann in ein Behandlungszimmer bringt….  (Ob so tatsächlich die Einsparungen erzielt werden, die mit dieser Strukturreform bezweckt waren?)

Ach ja: Die Apotheke, die Bereitschaftsdienst hat, liegt natürlich weder in dem Ort, in dem das Krankenhaus liegt, noch im eigenen Wohnort, sondern mindestens zwanzig Kilometer weiter…. Die Versorgung der Kranken wird definitiv durch diese Strukturreform optimiert.

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