Bissiges

April 15, 2007

Typisch Deutsch

Filed under: Sauna — laempel @ 8:30 pm

„My home is my castle“, sagt der Engländer, aber Deutsche treiben dies noch auf die Spitze. Wo immer er hinkommt, muss der Deutsche sein Territorium besetzen. Ganz besonders deutlich wird dies im Schwimmbad, oder noch besser: in der Sauna. Man nehme ein Handtuch, lege es auf den favorisierten Liegestuhl und betrachte fortan dieses Sitzmöbel als sein eigenes. Dies führt manchmal zu dem interessanten Bild, dass alle Sitzgelegenheiten „besetzt“ sind, ohne dass ein einziger Mensch darauf zu sehen ist. Für den ratlosen Ruhesuchenden stellt sich jetzt die Frage: Soll in fremdes Territorium eingedrungen werden oder soll man sich ein Lager auf dem Fußboden suchen? Falls man dabei „ertappt“ wird, wie man ein ausgebreitetes Handtuch sorgsam zusammenfaltet und auf einen Tisch legt, muss man darauf gefasst sein von einem rechtschaffen erbosten Mitmenschen in schrillsten Tönen angeschrien zu werden, wie man sich nur erdreisten könne, sich an fremdem Eigentum zu vergreifen …. (Zum Glück haben Saunierende selten Waffen bei sich)

Selbst wenn am Ende ein Friedensvertrag unter Neuverhandlung der territorialen Grenzen zustandekommt — der Genuss am Sauna-Abend will sich nicht mehr so ganz einstellen.

März 19, 2007

Saunaerfahrungen, die zweite

Filed under: Sauna — laempel @ 7:47 pm

Öffentliche Saunen sind, wie bekannt, immer in mehrere Zonen aufgeteilt, die mehr oder weniger Geselligkeit zulassen. Absolutes Schweigegebot gilt in der Regel in den Ruheräumen, in denen das Licht meist auch noch gedämpft ist, um zur Entspannung beizutragen. Dennoch herrscht selten wirkliche Ruhe: Saunierende treten ein oder verlassen den Raum, oft begleitet von einem entrüsteten „Pscht“ eines aufgeschreckten Ruhenden. Typisch ist auch das Paar, das sich laut flüsternd unterhält, im Glauben, dass es dadurch besonders rücksichtsvoll ist. Versuche einmal einer abzuspannen, wenn dauernd scharfe Zischlaute ans Ohr dringen!

Besonders, wenn auch unfreiwillig nervtötend sind die Zeitgenossen, die in eine besonders tiefe Entspannung sinken, einschlafen — und dann mal leisere, mal vernehmlichere Röchel-, Schluck- und Sägelaute von sich geben. Als Liegennachbar konzentriert man sich unweigerlich darauf, ob, wann und wie die nächste Lautäußerung kommt!

März 5, 2007

Saunatypen

Filed under: Angeber,Sauna — laempel @ 9:08 pm

Saunieren entspannt. Naja meistens, abhängig von den Mitsaunierenden. Einige davon lassen den Adrenalinspiegel höher schnellen. Allen voran der Schnaufer. Man könnte erwarten, dass es sich bei diesem Typ um eher übergewichtige Frauen und Männer mittleren Alters handelt, aber weit gefehlt: Der Schnaufer kommt in allen Altersstufen vor, ist in der Regel männlich und relativ athletisch gebaut. Der ein oder andere wurde auch schon mit Goldkettchen gesichtet.

Der Schnaufer legt oder setzt sich grundsätzlich auf die höchste Etage — dort wo es am heißesten ist. Schon nach kurzer Zeit ist ein leichtes Stöhnen zu vernehmen, das im weiteren Verlauf zu einem vernehmlichen Geschnaufe (Normalsterbliche erreichen diese Intensität nach einem Marathonlauf) gesteigert wird, bis auch der letzte der Mitsaunierenden gemerkt hat, dass es diesem Menschen mit seiner Fitness ernst ist: Saunieren ist kein Spaß; man muss sich quälen, damit es wirkt. Natürlich kann ein Saunagang nicht nach 15 Minuten beendet werden; nein, eine halbe Stunde muss es schon mindestens sein (schnauf, stöhn, schnauf). Auf diese Weise werden all die Schwächlinge Zeugen eines stählernen, männlichen Durchhaltewillens — ob sie es nun wollen oder nicht.

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