Bissiges

Januar 8, 2008

Jugendkriminalität

Filed under: Politik — laempel @ 11:58 am
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Da haben nun unsere Herren der Parteien mit dem „C“ im Namen entdeckt, dass die Gewalt unter Jugendlichen ansteigt und dass ein viel zu hoher Anteil davon von jungen Männern mit „Migrationshintergrund“ ausgeübt wird.Dass nun höhere Strafen und vor allem eine schnellere Abschiebung von jemandem wie Herrn Koch verlangt werden, kann niemanden ernsthaft überraschen. Der Oberlehrer nimmt ihm sogar ab, dass dies Teil einer langfristigen Strategie (nicht nur in Hessen) ist.
Man fängt damit an, dass man Integrationsarbeit, wo immer es geht, unterminiert. Öffentlich geförderte Sprachkurse für Einwanderer, so es sie denn jemals gegeben hat, werden zusammengestrichen, damit diese ja kein Deutsch lernen und sich vielleicht hier sogar heimisch fühlen könnten. Nicht auszudenken, wenn sie ihre hier geborenen Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache auch noch unterstützen würden! Fortgeführt wird diese Langfriststrategie im Kindergarten, den viele Kinder von Einwanderern gar nicht erst besuchen, da man für abschreckend hohe Gebühren gesorgt hat. In der Schule kürzt man dann die Stellen so zusammen, dass garantiert kein Geld für zusätzliche Förderkurse da ist, um die Schüler zumindest zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Sprache fit zu machen. Aus Jugendhilfeeinrichtungen und auch von den Jugendämtern wird genügend Geld abgezogen, damit auch ja keine Projekte greifen, die diesen Jugendlichen Wege aufzeigen könnten, in unserer Gesellschaft einen Platz zu finden.
Man muss dann nur noch lange genug warten, bis diese sich die ihnen dauernd verweigerte Bestätigung und Anerkennung auf anderem Wege holen, und jetzt kann endlich der bewährte deutsche Rechtsstaat zugreifen. Verurteilen, wegsperren oder besser noch ausweisen, damit wir diese Fremdkörper in unserer Gesellschaft endlich los werden. Und eine unausgesprochene Hoffnung schwingt mit: Wenn wir die Kinder abschieben — vielleicht gehen die Eltern dann gleich mit?

Analog könnte man diese Strategie für die Kinder des „Prekariats“ durchdeklinieren, aber im Moment bin ich genug damit beschäftigt, die Übelkeit zurückzuhalten. (Außerdem: Wohin sollen wir diese Jugendlichen ausweisen?)

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Januar 4, 2008

Vorsätze für das Neue Jahr

Gerade erst ist in der Zeit ein Artikel erschienen, in dem es darum geht, wie unzufrieden die Deutschen mit ihren Arbeitsbedingungen sind („Hiergeblieben“, Zeit Nr. 2, 2008, S. 57). Dass dies ganz besonders auf den Oberlehrer zutrifft, steht zwar nicht in dem erwähnten Artikel, dürfte aber für aufmerksame Leser dieses Blogs keine Überraschung sein.
Um nun als guter Beamter den Arbeitgeber davon zu entlasten, sich für eine erhöhte Jobzufriedenheit seiner Bediensteten einsetzen zu müssen, hat der Oberlehrer einen wichtigen Vorsatz gefasst: Genieße einfach das, was du nicht ändern kannst. Denn was dir Freude bereitet, wird auch zu einer erhöhten Zufriedenheit mit deinen Arbeitsbedingungen führen.
Streichung des Weihnachtsgeldes
Dies war der letzte Anstoß, der noch fehlte, uns unsere schädliche Konsumorientierung bewusst zu machen, die sowieso schon immer alle unbefangene Freude am Weihnachtsfest zunichte gemacht hat. Wie viel harmonischer und friedlicher läuft doch alles ohne Konsumterror ab — denn Geld, das man nicht hat, muss man auch nicht ausgeben! Außerdem was für ein gelungener Beitrag für den Klimaschutz: Allein das Geschenkpapier, das so eingespart wurde, hat bestimmt etlichen Bäumen das Leben gerettet, die nun ein weiteres Jahr schädliches Kohlendioxid aus der Luft filtern dürfen.
Lernpläne
Sie müssen nur als das mächtigste Werkzeug verstanden werden, das wir haben, um unsere Schüler individuell abgestimmt auf ihre persönliche Begabung nach Herzenslust fördern zu können. Ohne Lernpläne wären wir hilflos; es würde uns gar nicht in den Sinn kommen, ihnen (und ihren Eltern) bei Schwierigkeiten Hilfestellung zu leisten oder besondere Fähigkeiten zu unterstützen und zu fördern. Erst was schriftlich fixiert ist, entfaltet auch seine Wirkung. Bei diesem Gedanken geht doch alles gleich viel schneller von der Hand.
Zentralabitur
Man darf sich einfach nicht dazu hinreißen lassen, die schleswig-holsteinische Variante als unausgegoren, wenn nicht gar als Mogelpackung zu bezeichnen. Dass nur einige der Leistungskurse zentral abgeprüft werden, hat durchaus einen tieferen Sinn, auch wenn er sich nicht so ohne Weiteres erschließt.
Welcher war das noch gleich ….? — Vielleicht, dass man nicht aus der Übung kommt, drei perfekte Klausurvorschläge samt ausgefeiltem Erwartungshorizont für einen Schüler zu entwickeln, der sich dummerweise als Einziger im Kurs für die schriftliche Prüfung entschieden hat. Was sollte man auch sonst Sinnvolles in den Weihnachtsferien anfangen? Und dass die Ergebnisse vor Ort und nicht zentral bewertet werden, ist von enormer Wichtigkeit: Wie soll man sonst den individuellen Gegebenheiten gerecht werden? (Ach nein, da waren ja noch die Standards ….)
Profiloberstufe
Durch die Profiloberstufe wird alles besser. (Nein, nein, es handelt sich dabei nicht um eine verkappte Sparmaßnahme; vielmehr soll die Allgemeinbildung der Abiturienten verbessert werden.) Außerdem bietet es ungeahnte Vorteile für die Schulen, dass vom Ministerium keine Lehrpläne verabschiedet, sondern an jeder Schule individuell erarbeitet werden. Immerhin ist so wenigstens einem Fachschaftsmitglied der Lehrplan vertraut, und die Kooperation mit den benachbarten Schulen, die sich über die Inhalte austauschen, wird auch verbessert.
G8
Auch hier handelt es sich selbstverständlich um eine Verbesserung — vor allem für die Finanzen, da man so Stunden unbemerkt verschwinden lassen kann. Schließlich darf man die armen Schülerchen nicht überlasten, indem man die gesamten Stunden des wegfallenden zehnten Schuljahres gleichmäßig auf Unter- bzw. Mittelstufe verteilt. Dass die Fachschaften auch hier die Lehrpläne selbst anpassen, also „schulinterne Fachcurricula“ erstellen müssen, hat überhaupt nichts mit den mangelnden Ressourcen des Ministeriums zu tun. Nein, dies bietet wieder den Schulen ungeahnte Möglichkeiten ein eigenes „Profil“ zu entwickeln und die Schüler entsprechend ihrer Begabungen und Voraussetzungen individuell zu fördern. So viel Schulautonomie war nie!
Wenn der Oberlehrer lange genug nachdenkt, fallen ihm bestimmt noch die Vorzüge des Beförderungsstaus oder des Nichtbesetzens von Planstellen bzw. des Besetzens von Vertretungsstellen durch Nicht-Lehrer ein. Das Jahr ist schließlich noch lang genug, um darüber nachzudenken.

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