Bissiges

März 23, 2015

Wie die Zeit vergeht

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 8:45 nachmittags
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… immer schneller. Zumindest seit den letzten zehn Jahren, und nicht erst seit sich geopolitisch die Ereignisse mit der Griechenlandkrise, dem Arabischen Frühling, dem Krieg in Syrien, dem unerkärten Krieg Russlands gegen die Ukraine, dem Durchmarsch des IS, den islamistischen Anschlägen in Frankreich und Dänemark, der Griechenlandkrise überschlagen.

Unsere Schulbehörde will da natürlich mithalten: Neue Fachanforderungen für das Abitur? Müssen umgesetzt werden, fast noch bevor sie beschlossen wurden. Neue Aufgabenformate? Erst einmal beschließen — Bewertungskriterien werden in Aussicht gestellt. Länderübergreifendes Abitur? Ja gern, aber durchwursteln muss sich jede Schule wieder allein.

Früher, als man noch optimistisch und hoffnungsvoll war, haben wir Jungen über die Älteren gelästert, die zu unflexibel und nicht mehr bereit waren, sich auf Neues einzustellen. Inzwischen, nachdem gefühlt neunzig Prozent der engagiert erstellten Konzepte sich schneller überlebt haben, als dass man sie zuende ausarbeiten konnte, macht sich mehr Gelassenheit breit. Man muss nur lange genug warten, dann kann man die ein oder andere Neuerung überspringen. Wieso sich also überhaupt mit etwas befassen, was in einem halben Jahr eh keine Gültigkeit mehr hat?

Dezember 6, 2013

Sturmschäden

Filed under: Freizeit — laempel @ 6:52 nachmittags

Xaver ist nun glücklich überstanden, und nach all dem Hype (zwei Tage Schulausfall, Aufforderung an alle, das Haus nicht zu verlassen, da der Untergang Schleswig-Holsteins droht), hat man fast den Eindruck, dass alle ein bisschen enttäuscht sind. Gut, der Wind war schon recht stark, die Dachpfannen haben ordentlich gerüttelt und die ein oder andere ist heruntergefallen. Es gab Einschränkungen beim Bahnverkehr und der ein oder andere Baum ist auch irgendwo auf eine Straße gekippt. Alles nicht schön.

Dennoch hatten es die Reporter bei den gestrigen Brennpunkten und anderen Sondersendungen zum Superorkan eher schwer, die Sendezeit mit Inhalten zu füllen. Da mussten sie sich dramatisch gegen den Wind auf den Deich bei Büsum stellen oder sich die zugigste Ecke des Hamburger Hafens aussuchen, der leider noch nicht überflutet war. Ein netter Nebeneffekt war, dass die Windgeräusche die Worte der Vor-Ort-Reporter dermaßen verzerrten, dass gar nicht mehr auffiel, dass sie nichts zu sagen hatten.

 

 

November 15, 2013

Die Schüler abholen …

Filed under: Schülerverhalten,Unterricht — laempel @ 5:59 nachmittags
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Ja wo sind sie denn? Anna ist in Gedanken bei dem Chat mit ihrem Freund aus der Oberstufe, den sie wegen des Klingelns abbrechen musste. Mike liegt mit dem Kopf auf dem Tisch, offenbar übermüdet von der nächtlichen Orgie an der Videokonsole und über die Hälfte meldet sich bei der Hausaufgabenabfrage: “Ich wusste nicht, was wir machen sollten.” Die andere Hälfte ist so ehrlich und gibt zu, dass sie die Aufgabe vergessen, also keine Lust gehabt hat.

Als Lehrer soll man die Schüler “da abholen, wo sie stehen”. Das ist eine dieser vom Studium über Referendariat bis zu Fortbildungsveranstaltungen so oft wiederholten Sätze, dass er inzwischen bei nicht wenigen allergische Reaktionen auslöst (geht diese Phrase eigentlich auf Hilbert Meyer zurück?). Allerdings merkwürdig, dass noch niemandem der Widerspruch zur gleichfalls geltenden Doktrin des selbständigen Lernens ins Auge gefallen ist. Beim Abholen nehme ich die Schüler an die Hand und führe sie da hin, wo sie gehen sollen. Und offenbar erwarten sie genau das. Zurückgelehnt in Konsumentenhaltung wird alles abgelehnt, was mehr Anstrengung als einen Mausklick erfordert. Wäre es zur Abwechslung nicht mal vielversprechender, wenn sich unsere Schülerchen selbst in Bewegung setzen und eigene Anstrengungen unternehmen würden, sich dem Lerngegenstand zu nähern?

(OK, OK, es gibt auch andere und dann macht das Unterrichten Spaß, aber wenn sich in einer Klasse eine kritische Masse an Konsumenten — in Verbindung mit den passenden Eltern — befindet, dann wird es schwierig. Es stellt sich ein Gefühl ein, als ob man versucht, den Grand Canyon hinaufzuschwimmen, wobei von oben immer wieder Felsbrocken in die Strömung geworfen werden.)

August 11, 2013

Pädagogische Angelegenheiten

Filed under: Schulpolitik — laempel @ 1:45 nachmittags

Dank der Innovationskraft unserer Bildungsministerin Wara Wende wird Schleswig-Holstein innerhalb kürzester Zeit in die obere Bildungsliga aufsteigen (nachdem es laut Bildungsmonitor 2012 auf dem letzten Rang gelandet ist). Nicht nur die Reform der Lehrerbildung wird für eine immense Attraktivitätssteigerung sorgen — abgesehen vom Bildungsvorreiter Bremen bildet nur SH künftig Stufenlehrer aus (zugegeben, auch BW beschäftigt sich derzeit mit diesem Modell). Weg mit den alten Zöpfen der schulartbezogenen Ausbildung. Der Lehrerberuf wird zum Breitensport, in dem jeder  von allem ein bisschen können muss. Die Interessenten stehen jetzt schon Schlange; die Hochschulen können sich vor Bewerbern aus anderen Bundesländern nicht mehr retten.

Die zweite bahnbrechende Neuerung erfolgt aufgrund des Prinzips, dass Sprache das Denken und letztlich das Handeln verändert. Im Entwurf des neuen Schulgesetzes liegen die Aufgaben der Schule nicht mehr in Bildung und Erziehung, nein, wir alle an der Schule Tätigen sind von nun an mit “pädagogischen Angelegenheiten” befasst. Auf lange Sicht wird dies zu einer enormen Verbesserung der Unterrichtsqualität führen. Welch visionäre Gestaltungskraft wohnt diesem Begriff inne, der uns alle zu Höchstleistungen anspornen wird!

März 19, 2013

Sponsoring

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 10:28 nachmittags
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Alle Welt regt sich über Ärzte auf, deren Kongresse und Fortbildungen von der Pharmaindustrie gefördert werden. Und nicht erst seit  den unseligen Vorgängen um unseren Ex-Bundespräsidenten wird  Politikern generell unterstellt, dass sie sich von Lobbyisten aushalten lassen. Man sollte also meinen, dass alles unternommen würde, damit Lehrer von Werbe-Aktivitäten unabhängig bleiben. Schließlich ist Werbung aus der Schule herauszuhalten.

In einer idealen Welt wäre dies der Fall, doch die Tendenz geht seit längerem in die entgegengesetzte Richtung. Dass Lehrer von Frei-Exemplaren und Prüfangeboten der Verlage profitieren, ist noch die harmloseste Form von Marketing. Immerhin kann man selbst entscheiden, von welchem Verlag man die Angebote annimmt. Bedenklicher ist schon, dass die großen Schulbuchverlage in den letzten Jahren verstärkt Fortbildungsangebote zu lehrplanrelevanten Themen anbieten. Hier wird — analog zu den oben erwähnten Ärztekongressen, nur nicht ganz so luxuriös — zu kostenlosen Tagungen eingeladen, auf denen die entsprechenden Medien des Verlags und deren Einsatz im Unterricht vorgestellt werden.

Letztlich weiß man jedoch als Teilnehmer, worauf man sich hier einlässt. Keiner erwartet auf einer solchen Veranstaltung, dass auch die ebenso guten Produkte des Konkurrenzverlags präsentiert werden. Wenn man also diese Gelegenheit nutzt, um sich einen Einblick in ein Thema zu verschaffen und möglichst mit Ansichtsexemplaren der Materialien versorgt nach Hause zu gehen, ist es nicht sonderlich problematisch, solange man für Alternativen und unabhängige Materialien offen bleibt. Das größte Problem besteht darin, dass diese Veranstaltungen auf eine so große Resonanz zu stoßen scheinen, dass sie sich für die Verlage lohnen. Immerhin stehen sie in Konkurrenz zu den öffentlichen Fortbildungsangeboten, die längst nicht alle ausgebucht sind. Liegt das nun an der Qualität oder an der Abstaubermentalität der Lehrkräfte?

Zumindest das IQSH in Schleswig-Holstein ist offenbar der Meinung, dass es mit Hilfe der Verlage die Qualität seiner Fortbildungsangebote steigern kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass es sich — zumindest im Fachbereich Englisch — immer wieder Verlagsvertreter ins Haus holt, sodass sich eine Fortbildung z.B. mit dem Titel “Einsatz von Medien im Englischunterricht” als Buchvorstellung entpuppt, in der vom Autor oder einem Verlagsreferenten ein Lehrwerk eines bestimmten Verlages vorgestellt wird. Die Rolle des IQSH-Referenten besteht darin, zu Beginn den Gast zu begrüßen, sich abschließend zu bedanken und auf die Materialien des Verlags hinzuweisen. Weitergehende Informationen zu diesem Thema, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Material oder gar Aufzeigen möglicher Alternativen — Fehlanzeige.

Dass diese Veranstaltungen  ernsthaft als Fortbildungen angeboten werden, wirft ein interessantes Licht auf den Stellenwert, den Weiterbildung von ganz offizieller Seite aus im Lehrerberuf einnimmt: Die Qualität ist egal, Hauptsache wir bieten überhaupt etwas an. Dafür, dass sie sich einen Überblick über ein Thema verschaffen, haben die Lehrkräfte selbst zu sorgen.

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