Bissiges

April 26, 2007

Volkszählung Im Netz

Filed under: Uncategorized — laempel @ 10:21 pm

Was ist nur mit den Deutschen los? In den 80er Jahren — was für eine Entrüstung, was für ein Aufstand, als ein paar harmlose Fragen im Rahmen der Volkszählung zum Familienstand und zum Beruf gestellt werden sollten. Und heute? Über Kundenkarten, Handys, Internetnutzung entblättern wir uns bis auf die Haut; Konsum- und Bewegungsprofile können so problemlos erstellt werden, unsere intimsten Bedürfnisse sind für jeden ein offenes Buch, der die Daten zu lesen weiß. Für ein paar kostenlose Probezeitschriften geben wir persönliche Daten preis, sogar für die potenzielle Chance, eine Reise ans Mittelmeer zu gewinnen, oder auch nur, um uns im Rahmen einer Telefonumfrage wichtig zu fühlen.

Deshalb weg mit den Bedenken und auf zur Weblogzählung, zu der Sajonara aufgerufen hat. Der Oberlehrer unterstützt natürlich auch die Wissenschaft und empfiehlt darüber hinaus die Teilnahme an der Blog-Umfrage im Rahmen einer Diplomarbeit.

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April 15, 2007

Typisch Deutsch

Filed under: Sauna — laempel @ 8:30 pm

„My home is my castle“, sagt der Engländer, aber Deutsche treiben dies noch auf die Spitze. Wo immer er hinkommt, muss der Deutsche sein Territorium besetzen. Ganz besonders deutlich wird dies im Schwimmbad, oder noch besser: in der Sauna. Man nehme ein Handtuch, lege es auf den favorisierten Liegestuhl und betrachte fortan dieses Sitzmöbel als sein eigenes. Dies führt manchmal zu dem interessanten Bild, dass alle Sitzgelegenheiten „besetzt“ sind, ohne dass ein einziger Mensch darauf zu sehen ist. Für den ratlosen Ruhesuchenden stellt sich jetzt die Frage: Soll in fremdes Territorium eingedrungen werden oder soll man sich ein Lager auf dem Fußboden suchen? Falls man dabei „ertappt“ wird, wie man ein ausgebreitetes Handtuch sorgsam zusammenfaltet und auf einen Tisch legt, muss man darauf gefasst sein von einem rechtschaffen erbosten Mitmenschen in schrillsten Tönen angeschrien zu werden, wie man sich nur erdreisten könne, sich an fremdem Eigentum zu vergreifen …. (Zum Glück haben Saunierende selten Waffen bei sich)

Selbst wenn am Ende ein Friedensvertrag unter Neuverhandlung der territorialen Grenzen zustandekommt — der Genuss am Sauna-Abend will sich nicht mehr so ganz einstellen.

April 9, 2007

Entführungsopfer

Filed under: Politik — laempel @ 8:58 pm

Der Oberlehrer wäre gern ein Entführungsopfer. Selbstverständlich eines, das viel Publicity erhält und dann nach kurzer Zeit unter dramatischen Umständen befreit wird.  Abgesehen von der Unbequemlichkeit der Gefangennahme und einer gewissen Unsicherheit ob des Ausgangs bieten sich hier bemerkenswerte Chancen:

  • Dass andere einen für wertvoll genug erachten, um eine Entführung zu riskieren, steigert das Selbstbewusstsein enorm.
  • Endlich wird man mal von allen wahrgenommen und bedauert (wichtig für die geschundene Lehrerseele).
  • Nach der Befreiung erhält man VIP-Behandlung, wird von allen Seiten umworben (auch eine Erfahrung, die Lehrer selten machen).
  • Indem man sich einen lukrativen Partner für die Exklusivrechte an der Inside-Story sichert, gewinnt man auch finanzielle Unabhängigkeit und vielleicht bieten sich dadurch ungeahnte Karrierechancen (die in der geliebt-gehassten Beamtenlaufbahn nie zu realisieren wären).

Die andere Kategorie — lange Gefangenschaft, kein öffentliches Interesse, unglückliches Ende — ist nicht annähernd so attraktiv. Vielleicht gibt es deshalb so einen Aufruhr, dass die befreiten britischen Marinesoldaten die Erlaubnis erhalten haben, ihre Erfahrungen zu vermarkten.

April 8, 2007

Ostergeschenke

Filed under: Angeber,Eltern — laempel @ 6:07 pm

Ostern hat, was das Einheimsen von Geschenken angeht, enorm zu Weihnachten aufgeholt. Stand zu Kindheitstagen des Oberlehrers die gemeinsame, wenn auch nicht immer spannungsfreie, Ostereiersuche im Familienkreis im Vordergrund, so versuchen sich in diesen Tagen die Verwandten mit Geschenken zu überbieten, auch wenn diese nicht ganz so werthaltig sind wie am Heiligabend oder Geburtstag. Wenn aber dem Enkelkindchen etwa einen Monat vor dem Ereignis regelmäßig im Wochenabstand Geld zugesteckt wird — „Für Ostern“ –, dann kommt schon eine anständige Summe zusammen.

„Was hast du zu Ostern bekommen?“ ist die Standardfrage am ersten Schultag nach den Ferien. Und die Antworten gehen bei der männliche Klientel von Computerspielen bis hin zur neuesten Ausgabe der Spielekonsole, bei den Mädchen von der bekannten Puppe mit der Wespentaille bis hin zu kompletten Reitausrüstungen. Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen begehrt sind Handys und MP3-Player. Hinzu kommen dann noch Berge von Schokohasen, Praliné-Eiern und bunten Käfern aller Art. (Spätestens zu Weihnachten werfen wir die letzten davon in den Müll.)

Zu beobachten ist auch, dass es oft Kindern, deren Eltern Zuwendung und Betreuung vermissen lassen, in dieser Hinsicht an nichts mangelt, vielmehr dass sie die anderen noch an Masse übertreffen. Ganz so, als ob die Eltern an diesem einen Tag all das nachholen müssen, was sie den Rest des Jahres über versäumen.

April 6, 2007

Afghanistan

Filed under: Politik — laempel @ 8:52 pm

Die deutschen Soldaten in Kundus machen einen hervorragenden Job. Sie sind in der Bevölkerung hoch angesehen und ihre Aufbauleistung wird begrüßt. Das ist die offizielle Lesart.

Die Realität sieht etwas anders aus. Die Soldaten stehen unter hohem psychischen Druck; sie werden in einen völlig fremden Kulturkreis hineingeworfen, haben ständig das Elend der Menschen vor Augen, ohne wirklich helfen zu können, und müssen dabei andauernd Angst haben, selbst das Opfer eines Anschlags zu werden. Oberste Priorität ist es, Verluste zu vermeiden, was dazu führt, dass die Soldaten in erster Linie sich selbst bewachen. Patrouillen werden nur gefahren, wenn die Lage ruhig ist, ansonsten verschanzt sich die Truppe in der Kaserne. Unfallverhütung nach deutschen Maßstäben wird großgeschrieben: Als Erstes bekommen die Soldaten eine Einweisung, dass sie ja immer während der Fahrten angeschnallt sein müssten. (Wie dabei eine effektive Verteidigung bei einem Überraschungsangriff möglich sein soll, fragt sich vielleicht nur der Zivilist.) Respekt bei den Einheimischen und befreundeten Truppen verdient man sich anders.

Es sieht daher alles danach aus, dass es vor allem darum geht, den Schein der großartigen deutschen Aufbauhilfe zu wahren, während der Einsatz in erster Linie in der Risikominimierung besteht. Ernst gemeinte Hilfe sieht anders aus, aber dazu müsste man erstens der Bevölkerung zu Hause — und auch den Soldaten — reinen Wein einschenken: Afghanistan ist Kriegsgebiet, mit allen Gefahren und psychischen Belastungen, die damit verbunden sind. Will man sich engagieren und dafür internationales Lob einheimsen, muss man auch die Risiken in Kauf nehmen. Und zweitens muss man die jungen Männer und Frauen, die diesen Einsatz durchführen, optimal ausstatten, trainieren und mit sinnvollen Aufgaben versorgen, damit sie wissen, wofür sie ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.

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