Bissiges

April 23, 2008

Entschuldigungskultur

Filed under: Eltern — laempel @ 10:50 pm
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An dieser Stelle muss ein erschreckender Verfall der guten Sitten konstatiert werden, und zwar wenn es um das Thema Entschuldigungen geht.

Zum einen gibt es Eltern, die nicht einsehen, warum sie überhaupt eine Entschuldigung für ihr Kind schreiben sollten. Ein Einfordern durch die Lehrerschaft sorgt dann für mehr oder weniger unterhaltsame und kurzweilige Gespräche und kann schon einmal in einen empörten Brief an die Schulleitung münden. Dann gibt es solche Erziehungsberechtigten, die schreiben: „Wir entschuldigen das Fehlen von … wegen …“. — Wie bitte? Eigentlich ist es doch immer noch die Lehrkraft, welche die Entschuldigungen annimmt. Wollte der Oberlehrer hier noch pedantischer sein, als er normalerweise ist, müsste er hier auf eine Umformulierung drängen („Wir bitten, das Fehlen von… zu entschuldigen.). Sehr rücksichtsvoll ist es auch, wenn gar kein Grund für das Fehlen angegeben wird. Warum sollte man auch den Lehrer mit solchen Nebensächlichkeiten belästigen?

Im Gegensatz dazu stehen die Eltern, die ganze Romane schreiben und z.B. die gesamte Krankengeschichte mit allen Details aufrollen, damit der Lehrer einen anschaulichen Eindruck in Bezug auf das Leiden des Kindes gewinnt. Besonders beliebt ist dieser Stil, wenn es darum geht, zu begründen, warum das Kind keine Hausaufgaben machen konnte. Hier werden auch gern schon mal die Magenbeschwerden des Meerschweinchens, das überaus lehrreiche Fernsehprogramm, Einkaufstouren oder Streit mit den Geschwistern bis in die letzte Einzelheit erläutert. Insgesamt kommt hier durchaus die ein oder andere Din A4 Seite zusammen.

Für interessante Diskussionen sorgt auch das Thema „Beurlaubungen“. Der Oberlehrer geht davon aus, dass es Eltern durchaus möglich sein müsste, um eine Beurlaubung zu bitten, wenn das Fehlen ihres Sprösslings nicht durch unvorhergesehene Ereignisse verursacht wird. Von Elternseite wird dies aber häufig völlig anders gesehen, in vielen Fällen wird auch ein Automatismus vorausgesetzt. Die Tochter hatte Konfirmation? Natürlich darf sie am folgenden Tag zuhause bleiben! Selbstverständlich ist es nicht notwendig, hier vorher eine Absprache mit der Schule zu treffen. Es versteht sich doch von selbst, dass das ausgiebige Feiern (und dazu noch kirchlich abgesegnet!) einen Schulbesuch am nächsten Tag nicht zulässt. Und sollte hier auch nur ein Lehrer wagen zaghaft zu protestieren, dann hagelt es wütende Telefonanrufe, Briefe an die Schulleitung und an alle weiteren übergeordneten Stellen, von denen man sich Unterstützung in dieser ernsten Sache erhofft.

Und da wundere sich einer darüber, dass vielen Schülern grundlegende Verhaltensweisen im gepflegten Umgang miteinander abgehen ….

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