Bissiges

November 12, 2007

Kopfprämie für Mütter

Filed under: Eltern,Politik — laempel @ 10:51 am
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Aus eigener Erfahrung weiß der Oberlehrer, wie angenehm es ist, bei der Heimkehr ein frisch geputztes Haus und ein dampfendes Essen vorzufinden. Wie entspannend auch, wenn sich jemand anderes um die Hausaufgaben der Kinder, Arztbesuche und den täglichen Taxidienst kümmert.
Aus diesem Grunde muss er durchaus Verständnis für die CSU-Herren äußern, die nun in das neue Familiengesetz ein Betreuungsgeld für Hausfrauen (und -männer?) haben hineinschreiben lassen (s. auch den Artikel in der netzeitung). Auch wenn dieser Anspruch erst 2013 in Kraft treten soll, so muss man ihnen dazu gratulieren, dass sie sich den oben beschriebenen Luxus auch noch auf Kosten des Steuerzahlers finanzieren lassen.Tatsächlich wird dieser Passus den Status Deutschlands als frauen- und familienpolitisches Entwicklungsland noch weiter zementieren:

 

  • Frauen werden nach der Geburt eines Kindes weiterhin zu lange zu Hause bleiben und damit den Anschluss an die Berufswelt verlieren, weil sich die Aufnahme einer Beschäftigung finanziell nicht lohnt. (Die Konsequenzen im Falle einer Scheidung oder der Arbeitslosigkeit oder sogar dem Tod des Ehepartners können verheerend sein.)
  • Kinder, die wegen der Überforderung ihrer Eltern zu Hause nicht genügend Anregung erhalten, bekommen auch weiterhin keinen frühzeitigen Zugang zu Bildung, da die Eltern (wenn auch gut gemeint) lieber das Geld nehmen werden, anstatt ihr Kind in eine Krippe zu geben. Selbst wenn das zusätzliche Geld für die Kinder aufgewendet wird, was in der Mehrzahl der Fälle sogar in übertriebenem Maße geschieht (Handys, Markenkleidung, Playstation etc.), so kann dies schwerlich die fehlende frühkindliche Bildung ersetzen.

 

Es wird hier also eine Chance vertan, genau die zu erreichen, die es am nötigsten haben. Selbst der Passus, dass bei Gefährdung des Kindeswohls der Besuch einer Kinderkrippe Pflicht werden solle, ist hier nur Augenwischerei. Wer soll denn das überprüfen? Die völlig überforderten Jugendämter vielleicht? Solange die noch nicht einmal reagieren, wenn Lehrer sich hilfesuchend an sie wenden, weil ein Kind wochenlang den Unterricht schwänzt, oder wenn eine alleinerziehende Mutter um Erziehungshilfe bittet, weil sie befürchtet, dass ihr Sohn in die Kriminalität abrutscht (Dieser junge Mann büßt übrigens zurzeit eine mehrjährige Haftstrafe ab.), solange wird man nicht erwarten können, dass sich die Jugendämter um so etwas Banales wie frühkindliche Förderung kümmern.

Es ist zum K…, wie es den Ewiggestrigen, den satten Mittelstandsbürgern immer wieder gelingt, Politik für ihre Klientel auf Kosten der wirklich Bedürftigen — der Kinder — zu machen.

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