Bissiges

März 23, 2015

Wie die Zeit vergeht

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 8:45 pm
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… immer schneller. Zumindest seit den letzten zehn Jahren, und nicht erst seit sich geopolitisch die Ereignisse mit der Griechenlandkrise, dem Arabischen Frühling, dem Krieg in Syrien, dem unerkärten Krieg Russlands gegen die Ukraine, dem Durchmarsch des IS, den islamistischen Anschlägen in Frankreich und Dänemark, der Griechenlandkrise überschlagen.

Unsere Schulbehörde will da natürlich mithalten: Neue Fachanforderungen für das Abitur? Müssen umgesetzt werden, fast noch bevor sie beschlossen wurden. Neue Aufgabenformate? Erst einmal beschließen — Bewertungskriterien werden in Aussicht gestellt. Länderübergreifendes Abitur? Ja gern, aber durchwursteln muss sich jede Schule wieder allein.

Früher, als man noch optimistisch und hoffnungsvoll war, haben wir Jungen über die Älteren gelästert, die zu unflexibel und nicht mehr bereit waren, sich auf Neues einzustellen. Inzwischen, nachdem gefühlt neunzig Prozent der engagiert erstellten Konzepte sich schneller überlebt haben, als dass man sie zuende ausarbeiten konnte, macht sich mehr Gelassenheit breit. Man muss nur lange genug warten, dann kann man die ein oder andere Neuerung überspringen. Wieso sich also überhaupt mit etwas befassen, was in einem halben Jahr eh keine Gültigkeit mehr hat?

September 30, 2009

Wahl 09

Peter Harry hat es also geschafft und darf erst einmal Ministerpräsident bleiben. Das Bildungsministerium wird dann wohl an Ekkehard Klug von der FDP gehen. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Wird jetzt wieder der ganze Teig von vorn durchgerührt oder werden nur die gröbsten Unstimmigkeiten beseitigt? Was von dem, mit dem wir uns gerade arrangiert haben, wird bleiben? Was wird abgeschafft? Was wird man sich Neues ausdenken, um die eigenen Pflöcke einzuschlagen?

Ein Gutes hatte Frau Erdsiek-Rave jedenfalls: Durch die ewig neuen Regeln blieb immerhin die geistige Beweglichkeit erhalten. Mal sehen, was nun alles noch kommt und in welchem Takt man auch in Zukunft umlernen muss.

September 29, 2008

Parallelarbeiten, VERA und der ganze Rest

Es ist doch erstaunlich, wie flexibel unsere Bildungsbürokratie ist. Mit dem nun beginnenden Schuljahr und der Einführung von G8 in Schleswig-Holstein hat sie sich aus unerfindlichen Gründen entschieden, die Parallelarbeiten abzuschaffen — streng genommen für G8, aber der entsprechende Passus lässt sich auch so interpretieren, dass er für die ganze Sekundarstufe I anzuwenden ist. Dabei waren die Parallelarbeiten einst kurzschlussartig auf den Pisa-Schock eingeführt worden, in Verbindung mit einer ausgeprägten Datensammelwut und Dokumentationspflicht: Die geschriebenen Arbeiten mussten archiviert und an die Schulleitung weitergeleitet werden; die Ergebnisse sowie Ausfall und Durchschnitt der vorherigen Arbeiten wurden über die Schulleitung an das Ministerium weitergeleitet. Wie aussagekräftig solche unspezifischen Durchschnittsdaten sind, kann sich jeder vorstellen, der z.B. im Fach Deutsch die unterschiedlichen Anforderungen z.B. eines Aufsatzes und einer Grammatikarbeit bzw. im Fach Mathematik von Bruchrechnung und Geometrie erfasst hat. (Den Wegfall dieser bürokratischen Auswüchse wird wohl keiner bedauern.)
Ziel der Parallelarbeiten war es, die uns anvertrauten Schüler auf die Bildungsstandards zu trimmen, gewissermaßen als Vorbereitung für die dann zentral gestellten Vergleichsarbeiten, deren Verbindlichkeit für die Fächer Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache in den Klassenstufen 6 und 8 (zwischendurch sollte es auch schon mal Kl. 9 sein) seit mehreren Jahren angekündigt worden war und in diesem Schuljahr nun endgültig zum Tragen kommen sollte — wie es auch auf der Lernnetz-Seite zunächst zu lesen war. Umso erstaunter war der Oberlehrer, als er nun dort lesen konnte, dass es mit der Verbindlichkeit auch nicht so weit her ist: Diese gilt nur für das Fach Deutsch in Klasse 6 und für das Fach Mathematik in Klasse 8. Sowohl Parallel- als auch Vergleichsarbeiten wurden uns in den letzten
Jahren als der Weisheit letzter Schluss verkauft, um den Bildungsstand
unserer Kinder zu sichern. Beides sollte als Grundlage dafür dienen,
dass bei unterschiedlichen schulinternen Fachcurricular trotzdem
vergleichbare Standards eingehalten werden. Sowohl die Fortbildungen
als auch die Organisation vor Ort haben immense Ressourcen an Zeit und
Material verbraucht. Da dürfte man doch nun doch zumindest eine
Begründung erwarten, wenn diese wichtigen Reformen so sang- und
klanglos im Sande verlaufen.Offiziell ist hier aber nichts zu erfahren. Sollten sich unsere Reformer etwa übernommen haben?
Zu merken ist dies auch an der Organisation des mittleren Bildungsabschlusses. Mit diesem Schuljahr sollen all diejenigen, die voraussichtlich den Übergang in die gymnasiale Oberstufe nicht schaffen, die Realschulprüfung ablegen. Man hätte nun erwarten können, dass die betreffenden Kollegen hier entsprechend geschult, dass es rechtzeitig Durchführungsbestimmungen und Anweisungen geben würde, wie eine Realschulprüfung an den doch etwas anders organisierten Gymnasien umzusetzen ist. Aber wie so oft verweist man hier auf die individuelle Verantwortung der einzelnen Schule, was in etwa so viel heißt: „Seht zu, wie ihr das hinbekommt, aber belästigt uns nicht mit solchen überflüssigen Detailfragen.“ Wenn nun tatsächlich alles klappen sollte und sich unsere Bildungsministerin im nächsten Sommer vor der Presse damit brüsten kann, dass nun niemand mehr ohne Schulabschluss die Schule verlässt, so werden wir vor Ort jedenfalls wissen, wer die eigentliche Arbeit erledigt hat. Sollte es, was nicht nicht ganz unwahrscheinlich ist, Pannen geben, dann wissen wir auch, wer den Kopf dafür hinhalten muss. Die Bildungsministerin wird es jedenfalls nicht sein.

Januar 4, 2008

Vorsätze für das Neue Jahr

Gerade erst ist in der Zeit ein Artikel erschienen, in dem es darum geht, wie unzufrieden die Deutschen mit ihren Arbeitsbedingungen sind („Hiergeblieben“, Zeit Nr. 2, 2008, S. 57). Dass dies ganz besonders auf den Oberlehrer zutrifft, steht zwar nicht in dem erwähnten Artikel, dürfte aber für aufmerksame Leser dieses Blogs keine Überraschung sein.
Um nun als guter Beamter den Arbeitgeber davon zu entlasten, sich für eine erhöhte Jobzufriedenheit seiner Bediensteten einsetzen zu müssen, hat der Oberlehrer einen wichtigen Vorsatz gefasst: Genieße einfach das, was du nicht ändern kannst. Denn was dir Freude bereitet, wird auch zu einer erhöhten Zufriedenheit mit deinen Arbeitsbedingungen führen.
Streichung des Weihnachtsgeldes
Dies war der letzte Anstoß, der noch fehlte, uns unsere schädliche Konsumorientierung bewusst zu machen, die sowieso schon immer alle unbefangene Freude am Weihnachtsfest zunichte gemacht hat. Wie viel harmonischer und friedlicher läuft doch alles ohne Konsumterror ab — denn Geld, das man nicht hat, muss man auch nicht ausgeben! Außerdem was für ein gelungener Beitrag für den Klimaschutz: Allein das Geschenkpapier, das so eingespart wurde, hat bestimmt etlichen Bäumen das Leben gerettet, die nun ein weiteres Jahr schädliches Kohlendioxid aus der Luft filtern dürfen.
Lernpläne
Sie müssen nur als das mächtigste Werkzeug verstanden werden, das wir haben, um unsere Schüler individuell abgestimmt auf ihre persönliche Begabung nach Herzenslust fördern zu können. Ohne Lernpläne wären wir hilflos; es würde uns gar nicht in den Sinn kommen, ihnen (und ihren Eltern) bei Schwierigkeiten Hilfestellung zu leisten oder besondere Fähigkeiten zu unterstützen und zu fördern. Erst was schriftlich fixiert ist, entfaltet auch seine Wirkung. Bei diesem Gedanken geht doch alles gleich viel schneller von der Hand.
Zentralabitur
Man darf sich einfach nicht dazu hinreißen lassen, die schleswig-holsteinische Variante als unausgegoren, wenn nicht gar als Mogelpackung zu bezeichnen. Dass nur einige der Leistungskurse zentral abgeprüft werden, hat durchaus einen tieferen Sinn, auch wenn er sich nicht so ohne Weiteres erschließt.
Welcher war das noch gleich ….? — Vielleicht, dass man nicht aus der Übung kommt, drei perfekte Klausurvorschläge samt ausgefeiltem Erwartungshorizont für einen Schüler zu entwickeln, der sich dummerweise als Einziger im Kurs für die schriftliche Prüfung entschieden hat. Was sollte man auch sonst Sinnvolles in den Weihnachtsferien anfangen? Und dass die Ergebnisse vor Ort und nicht zentral bewertet werden, ist von enormer Wichtigkeit: Wie soll man sonst den individuellen Gegebenheiten gerecht werden? (Ach nein, da waren ja noch die Standards ….)
Profiloberstufe
Durch die Profiloberstufe wird alles besser. (Nein, nein, es handelt sich dabei nicht um eine verkappte Sparmaßnahme; vielmehr soll die Allgemeinbildung der Abiturienten verbessert werden.) Außerdem bietet es ungeahnte Vorteile für die Schulen, dass vom Ministerium keine Lehrpläne verabschiedet, sondern an jeder Schule individuell erarbeitet werden. Immerhin ist so wenigstens einem Fachschaftsmitglied der Lehrplan vertraut, und die Kooperation mit den benachbarten Schulen, die sich über die Inhalte austauschen, wird auch verbessert.
G8
Auch hier handelt es sich selbstverständlich um eine Verbesserung — vor allem für die Finanzen, da man so Stunden unbemerkt verschwinden lassen kann. Schließlich darf man die armen Schülerchen nicht überlasten, indem man die gesamten Stunden des wegfallenden zehnten Schuljahres gleichmäßig auf Unter- bzw. Mittelstufe verteilt. Dass die Fachschaften auch hier die Lehrpläne selbst anpassen, also „schulinterne Fachcurricula“ erstellen müssen, hat überhaupt nichts mit den mangelnden Ressourcen des Ministeriums zu tun. Nein, dies bietet wieder den Schulen ungeahnte Möglichkeiten ein eigenes „Profil“ zu entwickeln und die Schüler entsprechend ihrer Begabungen und Voraussetzungen individuell zu fördern. So viel Schulautonomie war nie!
Wenn der Oberlehrer lange genug nachdenkt, fallen ihm bestimmt noch die Vorzüge des Beförderungsstaus oder des Nichtbesetzens von Planstellen bzw. des Besetzens von Vertretungsstellen durch Nicht-Lehrer ein. Das Jahr ist schließlich noch lang genug, um darüber nachzudenken.

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