Bissiges

Dezember 6, 2009

G8 oder G9

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 10:49 pm
Tags: , ,

Nachdem die Regierung bei uns in Schleswig-Holstein gewechselt hat, ist nun wieder alles offen oder besser: soll wieder geöffnet werden. Abhängig von einem Volksbegehren soll ggf. die Möglichkeit eröffnet werden, die Realschulen als unabhängige Schulen zu erhalten. Und Gymnasien sollen entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten — oder beides.

Was so schön einfach klingt, ist in Wahrheit sehr kompliziert. Um das Schulgesetz zu ändern, benötigt die Koalition noch mindestens bis zum nächsten Sommer. Erst wenn das entsprechende Gesetz steht, kann in den Schulen sinnvollerweise ein Diskussionsprozess einsetzen, wie nun damit zu verfahren ist, um dann am Ende in den Schulkonferenzen eine Entscheidung zu treffen. Wenn man erst einmal an diesem Punkt angelangt ist, dann werden die Schulen feststellen, dass sie die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub — und Mephisto — haben.

G8 ist vor allem bei Eltern und Schülern unbeliebt. Selbst im 5. Jahrgang, in dem noch fast alles wie beim Alten ist, fühlen sich Schüler unter Druck gesetzt, ob sie den Anforderungen wohl genügen werden. Die Folge: Obwohl noch keine Rechtsgrundlage herrscht, wird lautstark von Elternseite gefordert, die Reform rückgängig zu machen. Ein Beharren auf G8 würde also zur Verhärtung der Fronten führen.

Die Rückkehr zu G9 birgt auch so einige Tücken. Zumindest die beiden jetzt laufenden Unterstufenjahrgänge können nicht mehr so ohne Weiteres umgestellt werden, d.h., diese Schüler müssten in jedem Fall das Abitur nach zwölf Jahren machen. Außerdem stellt sich die Frage, wie man mit denjenigen verfahren soll, die von einer G8- in eine G9-Klasse zurücktreten. Und auch wenn es schnöde klingt, ein Kostenargument: Für die beiden laufenden G8-Jahrgänge haben die meisten Schulen schon neue Schulbücher angeschafft und müssten noch weitere anschaffen, um den Unterricht bis zur neunten Jahrgangsstufe sinnvoll weiterzuführen. Diese Schulbücher ließen sich aber nur unter Schwierigkeiten im längeren Bildungsgang einsetzen. Folge wären entweder höhere Kosten für neue Bücher oder ein mittelgroßes Gewurschtel mit solchen, die nicht auf den Bildungsgang zugeschnitten sind.

Der scheinbare Kompromiss, doch beide Jahrgänge nebeneinander anzubieten, sieht auch nur auf den ersten Blick gut aus. Er würde dazu führen, das die Leistungsträger eines Jahrganges sich in einer Klasse treffen, sodass in den anderen die Zugpferde fehlen. Wahrscheinlich würde der G8-Zug sogar relativ klein ausfallen, sodass die Leistungsstärksten auch noch die optimalen Lernbedingungen erhalten, während die Leistungsschwächeren mit all den begleitenden Problemen sich in überfüllten Klassen tummeln und nicht die Zuwendung erhalten, die sie eigentlich benötigen.

Hat man es am Anfang verpasst, eine Reform so durchzuführen, dass sie von allen Beteiligten akzeptiert wird, so ist es am Ende schwer, wieder aus dieser Falle herauszukommen. Auf Ruhe an den Schulen, welche die Besinnung auf das Wesentliche — guten Unterricht — erst wieder ermöglicht, werden wir wohl noch lange warten müssen.

Advertisements

Oktober 5, 2009

Markieren

Filed under: Schülerverhalten — laempel @ 10:11 pm
Tags:

Als Hundebesitzer lächelt man gern auf sein geliebtes Pelztier hinab, wenn man beobachtet, wie es durch Duftmarken das eigene Territorium markiert. Einmal das Bein gehoben und die Nachricht „Ich war hier“ ist für alle nachfolgenden Hunde bis zum nächsten Regen deutlich lesbar.

Wir Menschen sind über dieses primitive Verhalten selbstverständlich weit hinaus. Wer von uns muss schon noch ein Revier abstecken — und überhaupt, mit Urin! Zugegeben, Letzteres ist in menschlichen Kreisen aus der Mode gekommen (auch wenn noch nicht alle dies mitbekommen haben); der Mensch hat eine kultiviertere Methode gefunden, anderen sein Sein kundzutun: eine Nachricht in Schriftform.

Zu besonders großer Kunst bringen es hier Schüler, wie der gelegentliche Blick auf deren Pulte zeigt: „Latein ist Scheiße“; „P.B. war hier“; „Death Metal“ und was der kryptischen Bemerkungen mehr sind. Wird dies eigentlich als besondere Kunstform anerkannt? In jedem Fall sind solche Nachrichten dauerhafter als Urin ….

September 30, 2009

Wahl 09

Peter Harry hat es also geschafft und darf erst einmal Ministerpräsident bleiben. Das Bildungsministerium wird dann wohl an Ekkehard Klug von der FDP gehen. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Wird jetzt wieder der ganze Teig von vorn durchgerührt oder werden nur die gröbsten Unstimmigkeiten beseitigt? Was von dem, mit dem wir uns gerade arrangiert haben, wird bleiben? Was wird abgeschafft? Was wird man sich Neues ausdenken, um die eigenen Pflöcke einzuschlagen?

Ein Gutes hatte Frau Erdsiek-Rave jedenfalls: Durch die ewig neuen Regeln blieb immerhin die geistige Beweglichkeit erhalten. Mal sehen, was nun alles noch kommt und in welchem Takt man auch in Zukunft umlernen muss.

Juli 25, 2009

Verwaistes Bildungsministerium

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 12:57 am

Die schleswig-holsteinische Regierungsposse (Harry Peter will Landtag auflösen, Ralf will nicht, Harry Peter wirft SPD-Minister/innen raus, „erfolgreiches“ Misstrauensvotum) dürfte sich inzwischen bundesweit herumgesprochen haben.

Am herzigsten war noch die Reaktion der geschassten Bildungsministerin. Sie macht sich doch nun ernsthaft Sorgen um die armen Mitarbeiter, die jetzt führungslos dastünden. Gut, die Tatsache, dass sie nur 24 Stunden Zeit hatte, sich zu verabschieden, war nun wirklich nicht die feine Art. Und dass der bisher von Bildungsfragen völlig unbeleckte Jörn Biel das Ressort kommissarisch übernehmen soll, weist nicht darauf hin, dass hier noch bis zur Wahl größere Schwerpunkte gesetzt werden sollen.

Allerdings darf man als Oberlehrer schon bezweifeln, ob sich die von der ehemals obersten Chefin beklagte Führungslosigkeit tatsächlich so nachhaltig auswirken wird. Von Führung und Organisation war jedenfalls in der letzten Zeit wenig zu spüren. Hier einige Highlights des letzten Schuljahres: Schulungen, wie mit dem neuen LRS-Erlass umzugehen sei, erfolgten erst zwei Monate nach Inkrafttreten. Und die „Netzwerkveranstaltungen“, die bei der Entwicklung der schulinternen Fachcurricula helfen sollten, gerieten eher zu einer Werbeveranstaltung in eigener Sache, als dass hier tatsächlich konkrete Anregungen gegeben wurden. Die überhastet und ohne jede Abstimmung auf die Lehrpäne der 10. Klassen eingeführte Realschulprüfung an den Gymnasien hat den Spaßfaktor vor allem durch das vom Bildungsministerium praktizierte „Just-in-time-Prinzip“ erheblich erhöht. Auf eine Vorlage, wie die seit Schuljahresbeginn geforderten erweiterten Kopfnoten (Sozial-, Selbst-, Methodenkompetenz) auf den Zeugnissen vermerkt werden sollen, warten die Schulen immer noch.  Schön auch das Abschaffen des Sitzenbleibens mit der zurzeit noch geltenden Übergangsregelung, die wegen mangelnder Klarstellung durch das Ministerium für viele interessante Diskussionen im Kollegium gesorgt hat.

Es ist doch gut, dass erst einmal Ferien sind. Und nach der Landtagswahl am 27. September wird alles besser — oder?

Juli 2, 2009

Sommerwetter

Filed under: Uncategorized — laempel @ 10:17 pm
Tags: ,

Das Schöne am Sommerwetter ist, dass sich das Arbeitszimmer auf die Terrasse verlagern lässt. Da gehen die Korrekturen doch viel schneller von der Hand. Noch schöner allerdings ist es, einfach nur mit einem Glas Wein auf der Terrasse zu sitzen.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.