Bissiges

Mai 10, 2010

Das Y-Modell

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 8:32 pm
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Nein, es soll hier nicht der neueste Sportwagen vorgestellt werden. Auch nicht ein die Schulterpartie betonendes Outfit. Das Y-Modell hat tatsächlich etwas mit Schulentwicklung zu tun.

Mit dem von der letzten – großen – Koalition beschlossenen Schulgesetz hat Schleswig-Holstein eine der buntesten Schullandschaften in der Bundesrepublik erhalten. Die Gymnasien befinden sich derzeit in der Übergangsphase von G9 zu G8, Haupt- und Realschulen bestehen derzeit nur noch als Auslaufmodell (oder was ist aus der Kampagne zur Erhaltung der Realschulen eigentlich geworden?) und müssen sich als  Gemeinschafts- oder Regionalschulen neu organisieren. Ehemalige Gesamtschulen sollen sich zu Gemeinschaftsschulen weiterentwickeln.  In Bezug auf die Förderschulen fehlt mir zwar der Einblick, aber insgesamt kann man sagen, dass es derzeit im Sekundarbereich keine Schule gibt, die sich nicht im Umbruch oder Aufbau befindet.

Ist dieses Schulgesetz schon ein unglücklicher Kompromiss widerstreitender Interessen — die CDU wollte die Mehrgliedrigkeit erhalten, während die SPD auf „längeres gemeinsames Lernen“ Wert legte –, so wird es jetzt noch unübersichtlicher. Der neue Bildungsminister (FDP), der vor der Wahl versprochen hat, die schlimmsten Auswüchse zu korrigieren, wird derzeit offenbar mit so vielen widerstreitenden Interessen konfrontiert, dass das Ergebnis, eben das Y-Modell, nur als Herumlavieren bezeichnet werden kann. Schulen sollen jetzt wählen dürfen, ob sie G8, G9 oder beides (Y) anbieten wollen. Da aber sichergestellt werden soll, dass jeder Schüler den achtjährigen Weg zum Abitur antreten kann, müssen die ländlichen Gymnasium beides anbieten, sowohl einen G8-  als auch einen G9-Zweig. Das alles muss natürlich erst noch Gesetz werden und wird voraussichtlich nicht vor dem übernächsten Schuljahr in Kraft treten, sodass in diesem Sommer erneut an allen Gymnasien ein G8-Jahrgang startet.

Spaßig wird wieder die Umsetzung werden: Wird es mehr Lehrer geben, um die zu erwartenden höheren Anzahlen an Klassen zu bewältigen? Wie geht man vor, wenn die Wahl äußerst ungleichmäßig  ausfällt, also z.B. nur zehn Schüler eines Jahrgangs das Turboabi wählen?   Wer definiert, was im G8- respektive im G9-Bildungsgang gelehrt wird? Soll dies wie bei der Einführung von G8 wieder jedes Schulkollegium für sich entscheiden oder wird es tatsächlich mal wieder Lehrpläne geben?

Zu befürchten ist, dass auch unter dem neuen Bildungsminister weitergewurschtelt wird wie bisher, denn derzeit ist nichts zu erkennen, was irgendwie nach vorausschauender Planung aussieht.

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