Bissiges

März 31, 2008

Fortbildung

Filed under: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 9:56 pm
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Schon als gemeines Mitglied des Lehrkörpers kommt man aus dem Stöhnen nicht mehr heraus, fühlt sich von der Reformeritis der Bildungsbürokratie im vierteljährlichen Rhythmus immer wieder ins kalte Wasser der Neuerungen geworfen und hat dabei Mühe und Not, den Kopf sicher über Wasser zu halten. Der Wunsch nach angemessenen Fortbildungen verhallt ungehört bzw. wird zynisch damit abgetan, man werde schließlich wie ein Manager bezahlt, dann müsse man sich die nötigen Kenntnisse auch eigenverantwortlich aneignen. Oder die Lehrerschaft wird zu Pflichtveranstaltungen bestellt (jetzt aktuell in Schleswig-Holstein „Englisch Kontinuum“ — Übergang vom Grundschulenglisch zur Sekundarstufe), die dann aber nicht über Allgemeinplätze hinausgehen, wie „In einem guten Englischunterricht wird sinnvoll kommuniziert“.

Interessant war in dieser Beziehung die Sendung PISAplus des Deutschlandfunks am letzten Samstag, in der es um die Qualifikation von Schulleitern ging. Darauf, dass man in dieser Position die Rolle einer eierlegenden Wollmilchsau ausfüllen muss (repräsentieren, akquirieren, koordinieren, kommunizieren, inspirieren, evaluieren, disziplinieren — und das alles bei einer anspruchsvollen Klientel, wobei die individualistischen Lehrkräfte nicht zu den einfachsten Vertretern gehören), wird man praktisch nicht vorbereitet. Die von den Dienstherren angebotenen Fortbildungen erschöpfen sich in der Regel in Schulungen in Bezug auf Schulrecht und Organisationsstrukturen. Die Fortbildungsmisere erreicht hier einen Höhepunkt; Schulleiter, die sich konkret auf ihre Position vorbereiten wollen, sind hier in der Regel auf Angebote der freien Wirtschaft angewiesen. Zudem sind die Anforderungen bei häufig unattraktiven Bedingungen dermaßen gewachsen, dass sich kaum noch Bewerber finden. (Hier die Links zur Sendung: Direktorensuche, Schulleiter-Tandem)

Dass viele Schulleiter es deshalb nicht schaffen, ihre Schule zu führen, sondern das Kollegium mit endlosen Monologen in Konferenzen langweilen (wie hier im Lehrerzimmer immer wieder eindrucksvoll dargestellt) oder nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ ein Klima des Misstrauens aufbauen oder durch selbstherrliches Gehabe die Elternschaft gegen sich aufbringen, das mag dann weniger verwundern als die Tatsache, dass es trotz allem viele Schulleiter gibt, die „ihre“ Schule als Projekt begreifen und es schaffen, alle Beteiligten für die engagierte Weiterentwicklung der Schule zu gewinnen.

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