Bissiges

April 6, 2007

Afghanistan

Filed under: Politik — laempel @ 8:52 pm

Die deutschen Soldaten in Kundus machen einen hervorragenden Job. Sie sind in der Bevölkerung hoch angesehen und ihre Aufbauleistung wird begrüßt. Das ist die offizielle Lesart.

Die Realität sieht etwas anders aus. Die Soldaten stehen unter hohem psychischen Druck; sie werden in einen völlig fremden Kulturkreis hineingeworfen, haben ständig das Elend der Menschen vor Augen, ohne wirklich helfen zu können, und müssen dabei andauernd Angst haben, selbst das Opfer eines Anschlags zu werden. Oberste Priorität ist es, Verluste zu vermeiden, was dazu führt, dass die Soldaten in erster Linie sich selbst bewachen. Patrouillen werden nur gefahren, wenn die Lage ruhig ist, ansonsten verschanzt sich die Truppe in der Kaserne. Unfallverhütung nach deutschen Maßstäben wird großgeschrieben: Als Erstes bekommen die Soldaten eine Einweisung, dass sie ja immer während der Fahrten angeschnallt sein müssten. (Wie dabei eine effektive Verteidigung bei einem Überraschungsangriff möglich sein soll, fragt sich vielleicht nur der Zivilist.) Respekt bei den Einheimischen und befreundeten Truppen verdient man sich anders.

Es sieht daher alles danach aus, dass es vor allem darum geht, den Schein der großartigen deutschen Aufbauhilfe zu wahren, während der Einsatz in erster Linie in der Risikominimierung besteht. Ernst gemeinte Hilfe sieht anders aus, aber dazu müsste man erstens der Bevölkerung zu Hause — und auch den Soldaten — reinen Wein einschenken: Afghanistan ist Kriegsgebiet, mit allen Gefahren und psychischen Belastungen, die damit verbunden sind. Will man sich engagieren und dafür internationales Lob einheimsen, muss man auch die Risiken in Kauf nehmen. Und zweitens muss man die jungen Männer und Frauen, die diesen Einsatz durchführen, optimal ausstatten, trainieren und mit sinnvollen Aufgaben versorgen, damit sie wissen, wofür sie ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.

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