„My home is my castle“, sagt der Engländer, aber Deutsche treiben dies noch auf die Spitze. Wo immer er hinkommt, muss der Deutsche sein Territorium besetzen. Ganz besonders deutlich wird dies im Schwimmbad, oder noch besser: in der Sauna. Man nehme ein Handtuch, lege es auf den favorisierten Liegestuhl und betrachte fortan dieses Sitzmöbel als sein eigenes. Dies führt manchmal zu dem interessanten Bild, dass alle Sitzgelegenheiten „besetzt“ sind, ohne dass ein einziger Mensch darauf zu sehen ist. Für den ratlosen Ruhesuchenden stellt sich jetzt die Frage: Soll in fremdes Territorium eingedrungen werden oder soll man sich ein Lager auf dem Fußboden suchen? Falls man dabei „ertappt“ wird, wie man ein ausgebreitetes Handtuch sorgsam zusammenfaltet und auf einen Tisch legt, muss man darauf gefasst sein von einem rechtschaffen erbosten Mitmenschen in schrillsten Tönen angeschrien zu werden, wie man sich nur erdreisten könne, sich an fremdem Eigentum zu vergreifen …. (Zum Glück haben Saunierende selten Waffen bei sich)
Selbst wenn am Ende ein Friedensvertrag unter Neuverhandlung der territorialen Grenzen zustandekommt — der Genuss am Sauna-Abend will sich nicht mehr so ganz einstellen.