Bissiges

September 30, 2009

Wahl 09

Gespeichert unter: Arbeitsbedingungen, Schulpolitik — laempel @ 10:44
Tags: , ,

Peter Harry hat es also geschafft und darf erst einmal Ministerpräsident bleiben. Das Bildungsministerium wird dann wohl an Ekkehard Klug von der FDP gehen. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Wird jetzt wieder der ganze Teig von vorn durchgerührt oder werden nur die gröbsten Unstimmigkeiten beseitigt? Was von dem, mit dem wir uns gerade arrangiert haben, wird bleiben? Was wird abgeschafft? Was wird man sich Neues ausdenken, um die eigenen Pflöcke einzuschlagen?

Ein Gutes hatte Frau Erdsiek-Rave jedenfalls: Durch die ewig neuen Regeln blieb immerhin die geistige Beweglichkeit erhalten. Mal sehen, was nun alles noch kommt und in welchem Takt man auch in Zukunft umlernen muss.

Juli 25, 2009

Verwaistes Bildungsministerium

Gespeichert unter: Arbeitsbedingungen, Schulpolitik — laempel @ 12:57

Die schleswig-holsteinische Regierungsposse (Harry Peter will Landtag auflösen, Ralf will nicht, Harry Peter wirft SPD-Minister/innen raus, „erfolgreiches“ Misstrauensvotum) dürfte sich inzwischen bundesweit herumgesprochen haben.

Am herzigsten war noch die Reaktion der geschassten Bildungsministerin. Sie macht sich doch nun ernsthaft Sorgen um die armen Mitarbeiter, die jetzt führungslos dastünden. Gut, die Tatsache, dass sie nur 24 Stunden Zeit hatte, sich zu verabschieden, war nun wirklich nicht die feine Art. Und dass der bisher von Bildungsfragen völlig unbeleckte Jörn Biel das Ressort kommissarisch übernehmen soll, weist nicht darauf hin, dass hier noch bis zur Wahl größere Schwerpunkte gesetzt werden sollen.

Allerdings darf man als Oberlehrer schon bezweifeln, ob sich die von der ehemals obersten Chefin beklagte Führungslosigkeit tatsächlich so nachhaltig auswirken wird. Von Führung und Organisation war jedenfalls in der letzten Zeit wenig zu spüren. Hier einige Highlights des letzten Schuljahres: Schulungen, wie mit dem neuen LRS-Erlass umzugehen sei, erfolgten erst zwei Monate nach Inkrafttreten. Und die „Netzwerkveranstaltungen“, die bei der Entwicklung der schulinternen Fachcurricula helfen sollten, gerieten eher zu einer Werbeveranstaltung in eigener Sache, als dass hier tatsächlich konkrete Anregungen gegeben wurden. Die überhastet und ohne jede Abstimmung auf die Lehrpäne der 10. Klassen eingeführte Realschulprüfung an den Gymnasien hat den Spaßfaktor vor allem durch das vom Bildungsministerium praktizierte „Just-in-time-Prinzip“ erheblich erhöht. Auf eine Vorlage, wie die seit Schuljahresbeginn geforderten erweiterten Kopfnoten (Sozial-, Selbst-, Methodenkompetenz) auf den Zeugnissen vermerkt werden sollen, warten die Schulen immer noch.  Schön auch das Abschaffen des Sitzenbleibens mit der zurzeit noch geltenden Übergangsregelung, die wegen mangelnder Klarstellung durch das Ministerium für viele interessante Diskussionen im Kollegium gesorgt hat.

Es ist doch gut, dass erst einmal Ferien sind. Und nach der Landtagswahl am 27. September wird alles besser — oder?

Februar 10, 2009

Widerstand ist zwecklos

Gespeichert unter: Arbeitsbedingungen, Schulpolitik — laempel @ 11:38
Tags:

„Jede grundlegende Reform erzeugt erst einmal Widerstand“ — so ordnet also unsere Bildungsministerin, Frau Erdsiek-Rave, die Kritik der Lehrkräfte an der Oberstufenreform („Profiloberstufe“) ein, wie jüngst in den Kieler Nachrichten zu lesen war. Die in dem Artikel geäußerte Kritik an dieser Reform bestand im Wesentlichen darin, dass diese (wie vieles aus dem Bildungsministerium) nicht ganz ausgegoren ist und zu wesentlich höheren Kursstärken geführt hat. Der pädagogische Mehrwert ist bei solchen Sparmaßnahmen für die Beteiligten dadurch natürlich nicht sofort zu erkennen, vor allem da bei der andauernden Reformeritis, gepaart mit zum Teil erschreckend oberflächlichen, allein der Zeitvergeudung dienenden Pflicht-“Fortbildungen“ (nicht im Artikel erwähnt), nur noch wenig Zeit bleibt für die eigentliche Aufgabe von Lehrern: einen qualitativ hochwertigen Unterricht zu gestalten.

Mit solchen Vorwürfen setzt sich eine Ministerin natürlich nicht gern auseinander. Und da kommt einem ein solches Totschlag-Argument  gerade recht, um alle Bedenken sofort vom Tisch wischen.

November 6, 2008

Realschulprüfungen an Gymnasien

Gespeichert unter: Arbeitsbedingungen, Schulpolitik — laempel @ 9:46
Tags: ,

Nach und nach erschließt sich der kleinen Lehrkraft vor Ort, wie wenig Mühen unsere Landesregierung scheut, die für dieses Jahr verpflichtend vorgesehenen Realschulprüfungen an Gymnasien zu einem ungeahnten Erfolg werden zu lassen. Noch einmal zur Erinnerung: Nach dem hehren Willen unserer fürsorglichen Landesregierung soll kein Kind mehr die Schule ohne Abschlussprüfung verlassen, was nun zu dieser interessanten Regelung geführt hat, dass Schüler, die voraussichtlich den Übergang in die Oberstufe (oder, wenn sie schon in der Oberstufe sind, das Abitur) nicht schaffen werden, verpflichtend an der zentralen Realschulabschlussprüfung (in ernsten Fällen sogar an der Hauptschulprüfung) teilnehmen müssen.

Um dies durchzuführen, sind aber einige Verrenkungen notwendig, da die rechtlichen Vorgaben mit den Voraussetzungen an den Gymnasien doch nicht so kompatibel sind, wie sich die Entscheider am grünen Tisch das gedacht hatten.

Es fängt schon mit dem verpflichtenden Projekt an. Zu einem Projekt gehört per definitionem eine Projektgruppe. Was also tun, wenn nur ein Schülerchen zur Prüfung gemeldet wurde? Antwort des Bildungsministeriums: Auch ein einzelner Schüler kann eine Projektgruppe bilden. :)

Dann geht es natürlich weiter mit der Bewertung. Bewertet werden die Prüfungsleistungen durch Gymnasiallehrer. Deren Erfahrung mit der Anwendung von Realschulstandards hält sich naturgegebenermaßen in Grenzen. Aber als erfahrener Studienrat schüttelt man so etwas natürlich aus dem Handgelenk. Vergleichbarkeit gesichert. :)

Ein weiteres Problem scheint nun auch das Ministerium erkannt zu haben: Der Unterricht am Gymnasium bereitet nicht unbedingt so gezielt auf die Realschulprüfung vor, wie dies an der Realschule geschieht, vor allem da der Vorlauf mit Bekanntgabe der Bedingungen nicht gerade üppig bemessen war. Offensichtlich will das Ministerium den so gebeutelten Schülern ein wenig von ihrer Angst nehmen, indem die Aufgaben in diesem Schuljahr einen Tag vor der schriftlichen Prüfung ins Netz gestellt werden. Sollte dies tatsächlich stimmen, dann stellen sich interessante Fragen: Sind diese Aufgaben nur für Gymnasiasten zugänglich oder für alle? Was tun die Schüler ohne Internetanschluss? Stehen an diesem Tag überhaupt genügend qualifizierte Nachhilfekräfte zur Verfügung, um den Bedarf zu decken? :)

In jedem Fall wäre dadurch tatsächlich für einen durchschlagenden Erfolg gesorgt: Die Anzahl der Schüler, die unter diesen Bedingungen den Abschluss nicht schaffen, dürfte sich in engen Grenzen halten. Und in der jubelnden Presse steht dann: „Kein Kind in Schleswig-Holstein ohne Schulabschluss! Prüfungsergebnisse übertreffen alle Erwartungen!“ Und eigentlich könnten wir dann auch flächendeckend die Gemeinschaftsschule einführen und die Gymnasien abschaffen, da die Lernvoraussetzungen doch ohnehin schon ähnlich sind.

September 29, 2008

Parallelarbeiten, VERA und der ganze Rest

Es ist doch erstaunlich, wie flexibel unsere Bildungsbürokratie ist. Mit dem nun beginnenden Schuljahr und der Einführung von G8 in Schleswig-Holstein hat sie sich aus unerfindlichen Gründen entschieden, die Parallelarbeiten abzuschaffen — streng genommen für G8, aber der entsprechende Passus lässt sich auch so interpretieren, dass er für die ganze Sekundarstufe I anzuwenden ist. Dabei waren die Parallelarbeiten einst kurzschlussartig auf den Pisa-Schock eingeführt worden, in Verbindung mit einer ausgeprägten Datensammelwut und Dokumentationspflicht: Die geschriebenen Arbeiten mussten archiviert und an die Schulleitung weitergeleitet werden; die Ergebnisse sowie Ausfall und Durchschnitt der vorherigen Arbeiten wurden über die Schulleitung an das Ministerium weitergeleitet. Wie aussagekräftig solche unspezifischen Durchschnittsdaten sind, kann sich jeder vorstellen, der z.B. im Fach Deutsch die unterschiedlichen Anforderungen z.B. eines Aufsatzes und einer Grammatikarbeit bzw. im Fach Mathematik von Bruchrechnung und Geometrie erfasst hat. (Den Wegfall dieser bürokratischen Auswüchse wird wohl keiner bedauern.)
Ziel der Parallelarbeiten war es, die uns anvertrauten Schüler auf die Bildungsstandards zu trimmen, gewissermaßen als Vorbereitung für die dann zentral gestellten Vergleichsarbeiten, deren Verbindlichkeit für die Fächer Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache in den Klassenstufen 6 und 8 (zwischendurch sollte es auch schon mal Kl. 9 sein) seit mehreren Jahren angekündigt worden war und in diesem Schuljahr nun endgültig zum Tragen kommen sollte — wie es auch auf der Lernnetz-Seite zunächst zu lesen war. Umso erstaunter war der Oberlehrer, als er nun dort lesen konnte, dass es mit der Verbindlichkeit auch nicht so weit her ist: Diese gilt nur für das Fach Deutsch in Klasse 6 und für das Fach Mathematik in Klasse 8. Sowohl Parallel- als auch Vergleichsarbeiten wurden uns in den letzten
Jahren als der Weisheit letzter Schluss verkauft, um den Bildungsstand
unserer Kinder zu sichern. Beides sollte als Grundlage dafür dienen,
dass bei unterschiedlichen schulinternen Fachcurricular trotzdem
vergleichbare Standards eingehalten werden. Sowohl die Fortbildungen
als auch die Organisation vor Ort haben immense Ressourcen an Zeit und
Material verbraucht. Da dürfte man doch nun doch zumindest eine
Begründung erwarten, wenn diese wichtigen Reformen so sang- und
klanglos im Sande verlaufen.Offiziell ist hier aber nichts zu erfahren. Sollten sich unsere Reformer etwa übernommen haben?
Zu merken ist dies auch an der Organisation des mittleren Bildungsabschlusses. Mit diesem Schuljahr sollen all diejenigen, die voraussichtlich den Übergang in die gymnasiale Oberstufe nicht schaffen, die Realschulprüfung ablegen. Man hätte nun erwarten können, dass die betreffenden Kollegen hier entsprechend geschult, dass es rechtzeitig Durchführungsbestimmungen und Anweisungen geben würde, wie eine Realschulprüfung an den doch etwas anders organisierten Gymnasien umzusetzen ist. Aber wie so oft verweist man hier auf die individuelle Verantwortung der einzelnen Schule, was in etwa so viel heißt: „Seht zu, wie ihr das hinbekommt, aber belästigt uns nicht mit solchen überflüssigen Detailfragen.“ Wenn nun tatsächlich alles klappen sollte und sich unsere Bildungsministerin im nächsten Sommer vor der Presse damit brüsten kann, dass nun niemand mehr ohne Schulabschluss die Schule verlässt, so werden wir vor Ort jedenfalls wissen, wer die eigentliche Arbeit erledigt hat. Sollte es, was nicht nicht ganz unwahrscheinlich ist, Pannen geben, dann wissen wir auch, wer den Kopf dafür hinhalten muss. Die Bildungsministerin wird es jedenfalls nicht sein.

Nächste Seite »

Bloggen Sie auf WordPress.com.