Bissiges

Mai 4, 2007

Alt werden

Gespeichert unter: Mitmenschlichkeit — laempel @ 9:54

Auch wenn der Oberlehrer im besten Lebensalter ist, sozusagen noch voll im Saft steht, kommt er nicht umhin, über das Altern nachzudenken. Die Verwandtschaft macht es schließlich vor, wie es geht.

Schon die Namen von Altersheimen, neuerdings wird die Bezeichnung „Seniorenresidenz“ bevorzugt, haben einen euphemistisch-abschreckenden Charakter: Feierabend  oder Sonnenuntergang — da kommen doch eher düstere Assoziationen.

Menschenwürde ist relativ: Sie nimmt mit dem Alter ab. Jeden Anspruch darauf gibt man ab, wenn man Insasse einer solchen Einrichtung  wird. Dann wird man zum Objekt von Pflegestandards, die koste es, was es wolle, durchgesetzt werden. Essen gibt es nur zu bestimmten Tageszeiten; im Zweifelsfalle erfolgt die Zwangsfütterung, denn es muss ja im Pflegebericht dokumentiert werden, dass der Patient ausreichend versorgt wurde. Oma kaut nur noch auf den Felgen? — Dann her mit dem Zahnersatz, ob sie will oder nicht. Morgens wird das Gebiss dann mit Gewalt eingeschoben, auch wenn Oma so fest es geht die Lippen zusammenpresst. Opa will nicht mehr essen? — Dann her mit der Magensonde; das Einflößen der Nahrung hat sowieso zu viel Zeit gekostet. Toilettenbesuche finden nach Zeitplan statt; wenn jemand zur falschen Zeit muss und dabei Hilfe benötigt, hat er Pech gehabt. Es gibt ja schließlich auch Windeln, und dank moderner Materialien ist ein Durchnässen nicht mehr zu befürchten: Satt und trocken!

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