Bissiges

April 4, 2007

Britische Marinesoldaten frei

Gespeichert unter: Eltern, Politik — laempel @ 9:25

Das war die Nachricht des Tages: Aufgrund der unermesslichen Großzügigkeit der iranischen Regierung wurden die gekidnappten britischen Marinesoldaten nach Smalltalk und Händeschütteln mit Achmadineschad der britischen Botschaft übergeben. Es sei dies ein Geschenk des großen iranischen Volkes an die Briten. Wow.

Übertragen auf den Alltag böte sich folgendes Handlungsmuster an, um das Selbstbewusstsein des Oberlehrers zu steigern: Schüler werden zum Nachsitzen in der Schule behalten — ein Grund findet sich immer, z.B. freches Grinsen, undiszipliniertes Husten, demonstratives Auspacken usw. Die Delinquenten werden dann unter massiven Drohungen („Wenn du nicht spurst, bleibst du bis morgen früh hier“) dazu angehalten, zu Hause anzurufen, ihre Untat unter Tränen zu gestehen und die Eltern zu bitten, sich doch bei der Lehrkraft für das ungebührliche Verhalten ihres Sprösslings zu entschuldigen. Ist alles zur Zufriedenheit des Oberlehrers erfüllt, kann der Schüler gnädig unter gut gemeinten Ermahnungen nach Hause entlassen werden.

Essen gehen

Gespeichert unter: Eltern — laempel @ 9:10

Wenn der Oberlehrer mit den Kindern essen geht, steht nicht so sehr das Kulinarische im Vordergrund. Das Restaurant sollte etwas an Unterhaltung (für die Kinder) bieten und Gerichte, die schnell serviert werden, da es sonst zu mühselig wird, den Anhang bei Laune zu halten.

Als die Frage nach dem Nichtraucherbereich verneint wurde, hätte man schon misstrauisch werden und ein anderes Lokal aufsuchen müssen. Die Suche nach der Kinderspielecke erübrigte sich denn auch; immerhin gab es Juniorgerichte auf der Speisekarte. Da die Bestellung unspektakulär ausfiel (Bruschetta als Vorspeise, Pizzen, Flute, Ofenkartoffel), hätte man eigentlich damit rechnen können, in etwa einer halben Stunde bedient zu werden. Nach einer dreiviertel Stunde waren alle Spielmöglichkeiten von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ bis zu Bierdeckelkunstwerfen ausgeschöpft, als dann endlich die Bestecke auf den Tisch gestellt wurden. Es kam also Bewegung in die Sache. Zehn Minuten später standen dann die Bruschetta auf dem Tisch, inzwischen schon wieder leicht erkaltet. Dies fiel aber nicht weiter auf, da fünf hungrige Mäuler den Inhalt des Tellers in kürzester Zeit bis auf das letzte Salatblatt hinunterschlangen.

Offenbar hatte die Küche aus reiner Fürsorge anschließend eine längere Verdauungspause eingeplant, denn bis zum Servieren des Hauptgangs verging wieder eine halbe Stunde, in der der Anhang nur mühsam (u.a. durch Bestellen neuer Getränke mit Strohhalm) davon abgehalten werden konnte, seine wissenschaftliche Neugier am Mobiliar auszuleben.

Fazit: Essen lecker, Bedienung sehr bemüht (hat sich nachher noch für die Verspätung entschuldigt), aber anstrengender Abend. Beim nächsten Mal wird es schwer werden, sich gegen das Votum der Kinder zu behaupten, doch lieber das Schnellrestaurant mit den geschwungenen Bögen aufzusuchen….

April 1, 2007

Man muss sich nur zu helfen wissen

Gespeichert unter: Politik — laempel @ 7:19

Vor etwa zwei Wochen gab es einen Bericht im Deutschlandfunk, dass eine Mieterin in irgendeinem Plattenbau in einer ostdeutschen Stadt eine Übereinkunft mit ihrer Gesellschaft getroffen hat, damit sie als ALG-II-Empfängerin nicht ausziehen muss. Ihre Wohnung ist nämlich größer, als ihr nach HartzIV zustehen würde. Aus diesem Grund wurde ein Zimmer leergeräumt und abgeschlossen, und nach neuem Mietvertrag stehen ihr nur noch die übrigen Zimmer zur Verfügung. Ein Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft kontrolliert regelmäßig die Einhaltung der Vereinbarung, und so ist alles in schönster deutscher Ordnung.

Den Oberlehrer würde schon interessieren, ob es in dieser Richtung noch weitere unbürokratische Verfahren gibt, die sicherstellen, dass Hartz-IV-Empfänger nicht ihre Grenzen überschreiten. Vielleicht sollte noch vor der Auszahlung überprüft werden, ob die Wohnungseinrichtung standesgemäß ist. Sollte sie zu werthaltig sein, könnte man einen Verkauf anordnen, wobei der erzielte Erlös erst für den Lebensunterhalt aufgewendet werden muss, bevor die Stütze ausgezahlt wird. Auch bei Kleidung, Schmuck, Elektrogeräten müssten die Bezieher erst auf ein Grundniveau zurechtgestutzt werden, bevor der Staat ihnen unter die Arme greift. Das alles muss natürlich aufs Sorgfältigste kontrolliert werden. Schließlich gilt es sicherzustellen, dass dem Geist des Gesetzes Rechnung getragen wird, der da lautet: Jeder, der ALG II beantragt, ist potenziell ein Betrüger. Außerdem muss um jeden Preis vermieden werden, dass Beziehern staatlicher Leistungen auch nur die kleinste Annehmlichkeit verbleibt. Und dem Staat darf keine Aufwendung zu hoch sein, um zu verhindern, dass ein Antragsteller etwa einen Euro zu viel erhält ….

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