Bissiges

März 17, 2007

Lieblingsbeschäftigungen

Gespeichert unter: Bewertung — laempel @ 9:35

Auf dem Schreibtisch liegen zwei Heftstapel, einer blau einer rot. Klassenarbeiten. Sollten bald korrigiert werden.

Aber es gibt noch viel zu tun: Mails müssen abgefragt und beantwortet werden, außerdem gab es auf der Seite www.deutschunddeutlich.de doch so nützliche Arbeitsblätter für den Grammatikunterricht in der sechsten Klasse. Die müssen unbedingt eben schnell heruntergeladen und aufbereitet werden. Für die Lektüre von Christian Linkers „Heldenprojekt“ fehlt auch noch die zündende Idee für den Unterricht, also noch einmal googeln….

Ach, und dann sind da ja noch die Hefte …. Doch jetzt, da die Sonne so schön scheint, wird deutlich, dass die Fenster unbedingt geputzt werden müssen. Daher den Eimer gefüllt und ab nach draußen. Wo man schon einmal draußen ist — die Rasenkanten im Vorgarten müssen unbedingt abgestochen werden ….

Ach ja, da sind ja noch die Hefte …. Aber nach der Gartenarbeit muss man sich erst einmal einen kleinen Imbiss und einen Tee zum Aufwärmen gönnen. Außerdem liegt da noch die Tageszeitung, in die man beim Frühstück nur flüchtig hineingeschaut hatte, weil auf dem Schreibtisch schließlich die Hefte lagen ….

März 15, 2007

Lernpläne

Gespeichert unter: Bewertung, Schulpolitik — laempel @ 8:38

Das Bildungsministerium von Schleswig-Holstein (der Titel ist eigentlich viel länger, ändert sich aber nach jeder Wahl…) hatte nach dem Pisa-Schock eine blendende Idee, wie die angeblich so hohe Sitzenbleiber-Quote verringert werden kann: Lernpläne.

Hört sich erst einmal gut an: Jedes (!) Kind soll entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert werden, indem ein Lernplan aufgestellt wird (Nachdem erkannt wurde, wie unrealistisch dies ist, wurde die Gruppe eingegrenzt auf die besonders Begabten und die Gefährdeten). Darin wird festgehalten, was das Kind kann, was es bis zu einem bestimmten Zeitraum können sollte und mit welchen Mitteln dies erreicht werden kann. Indem der Lernplan nicht nur von Lehrerseite abgezeichnet wird, sondern auch von Eltern und Schülern wird daraus ein „Vertrag“, der dazu führen soll, dass vor allem die Schüler „Verantwortung für ihr eigenes Lernen“ übernehmen. Boah.

Das Dumme ist nur, dass Papier geduldig ist, vor allem, wenn es einen großen Aufwand kostet, es zu produzieren. Selbstverständlich reicht es nicht, dass man Absprachen mit Eltern und Schülern trifft, dass man als Klassenlehrer auch noch Kontakte zu den Fachlehrern vermittelt — nein, es sind hierzu noch Konferenzen mit dem entsprechenden Vorlauf notwendig, auf denen erst einmal der Bedarf festgestellt wird. Anschließend muss alles schriftlich ausformuliert, wiederum mit allen Beteiligten abgestimmt und in mehrfacher Ausfertigung kopiert und anschließend an den richtigen Stellen abgeheftet werden. So etwas können sich wirklich nur Leute ausdenken, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und dafür sorgen, dass der Weg eines Blattes Papier sich auch nach zehn Jahren noch minutiös rückverfolgen lässt.

Der subjektive Eindruck des Ministeriums, dass die Sitzenbleiberquote so verringert würde, mag sogar tatsächlich zutreffen. Aber doch sicher nicht dadurch, dass nun die Förderung so viel besser würde: Lehrer, die schon länger einen minimalistischen Kurs fahren, werden sich allein durch das Durchlaufen des formalen Prozesses darin bestärkt sehen, dass sie alles Menschenmögliche für die Betreffenden unternommen haben. Weitergehende Anstrengung in Bezug auf Förderung wären hier reine Glückssache. Und die, welche sich auch schon vorher für ihre Schüler eingesetzt haben, werden durch die Bürokratisierung eher ausgebremst: Der Tag hat nur vierundzwanzig Stunden, und wenn für das Verfassen und Verwalten von Papier ein Großteil davon beanspucht wird, bleibt für die eigentliche differenzierte Unterrichtsvorbereitung oder gezielte Fördermaßnahmen weniger übrig. Dass wohl weniger Schüler nicht versetzt werden, liegt eher an einem Selbstschutzmechanismus: Benote ich wirklich diese Arbeit mit „Mangelhaft“ und riskiere dafür langfristig, einen Lernplan schreiben zu müssen? Dann doch lieber die Kriterien aufweichen und dem Nachfolger das Problem überlassen….

März 13, 2007

Energie sparen

Gespeichert unter: Schülerverhalten — laempel @ 7:30

Es ist schon interessant, was die aktuellen Katastrophenszenarien alles bewirken. Auch die Schüler wollen ihren Beitrag zur CO2-Minderung leisten: „Machen Sie das Licht aus“, tönt es nicht gerade freundlich, „wir müssen Energie sparen!“ Dabei stecken die Nasen fast in den Schulbüchern, weil die Lichtverhältnisse wegen der heruntergelassenen Sonnenblenden so schummrig sind, dass einem die Buchstaben vor den Augen verschwimmen. Ein erstaunlicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass die selbe Klasse noch vor kurzem dazu ermahnt werden musste, nach dem Unterricht das Licht abzuschalten und die Fenster zu schließen.
Vor meinen Augen läuft die Fortsetzung ab: Klassen, die den Unterricht verpackt in ihren Winterjacken über sich ergehen lassen, um Heizenergie zu sparen. Schülergruppen, welche das Gebäude in den Pausen patrouillieren und jeden „Energiesünder“ zur Rede stellen. Schüler, die ihre Lehrer beim Schulleiter anschwärzen, weil diese es noch wagen, einen Tageslichtprojektor einzusetzen….

März 5, 2007

Saunatypen

Gespeichert unter: Angeber, Sauna — laempel @ 9:08

Saunieren entspannt. Naja meistens, abhängig von den Mitsaunierenden. Einige davon lassen den Adrenalinspiegel höher schnellen. Allen voran der Schnaufer. Man könnte erwarten, dass es sich bei diesem Typ um eher übergewichtige Frauen und Männer mittleren Alters handelt, aber weit gefehlt: Der Schnaufer kommt in allen Altersstufen vor, ist in der Regel männlich und relativ athletisch gebaut. Der ein oder andere wurde auch schon mit Goldkettchen gesichtet.

Der Schnaufer legt oder setzt sich grundsätzlich auf die höchste Etage — dort wo es am heißesten ist. Schon nach kurzer Zeit ist ein leichtes Stöhnen zu vernehmen, das im weiteren Verlauf zu einem vernehmlichen Geschnaufe (Normalsterbliche erreichen diese Intensität nach einem Marathonlauf) gesteigert wird, bis auch der letzte der Mitsaunierenden gemerkt hat, dass es diesem Menschen mit seiner Fitness ernst ist: Saunieren ist kein Spaß; man muss sich quälen, damit es wirkt. Natürlich kann ein Saunagang nicht nach 15 Minuten beendet werden; nein, eine halbe Stunde muss es schon mindestens sein (schnauf, stöhn, schnauf). Auf diese Weise werden all die Schwächlinge Zeugen eines stählernen, männlichen Durchhaltewillens — ob sie es nun wollen oder nicht.

Kräfte dosieren

Gespeichert unter: Abitur, Schülerverhalten — laempel @ 7:43

Abitur ist ein Spiel mit Regeln. Es muss zum Bestehen eine bestimmte Punktzahl erreicht werden. Strebt man einen bestimmten Studienplatz an, sollte die Punktzahl schon noch etwas höher liegen. Die Prüflinge, welche in diese Kategorie fallen, zeichnen sich in der Regel durch ein langfristiges Engagement sowie eine relative Zielgerichtetheit ihrer Lernbemühungen aus. Aus Lehrersicht also eher unproblematische Kandidaten.
Interessanter sind da diejenigen, welche die Grenzen dieses Spiels ausreizen. Es gilt, den Einsatz so geschickt zu dosieren, dass am Ende genau die benötigte Punktzahl erreicht wird. Jede auch noch so geringe Anstrengung, die darüber hinausgeht, wird als verschwenderische Verausgabung der eigenen Kräfte angesehen. Das Anfertigen schriftlicher Hausaufgaben bedeutet eine fast übermenschliche Herausforderung, hingegen wird wohldosiert alle paar Stunden einmal die Hand gehoben, um die entscheidenden Pünktchen für die mündliche Note zu ergattern. In der Zwischenzeit werden weitere Kraftreserven durch Nickerchen oder kleine Imbisse im Unterricht mobilisiert. Man kann ja nie wissen, welchen Herausforderungen man sich am Wochenende stellen muss.

« Vorige Seite

Bloggen Sie auf WordPress.com.