Abitur ist ein Spiel mit Regeln. Es muss zum Bestehen eine bestimmte Punktzahl erreicht werden. Strebt man einen bestimmten Studienplatz an, sollte die Punktzahl schon noch etwas höher liegen. Die Prüflinge, welche in diese Kategorie fallen, zeichnen sich in der Regel durch ein langfristiges Engagement sowie eine relative Zielgerichtetheit ihrer Lernbemühungen aus. Aus Lehrersicht also eher unproblematische Kandidaten.
Interessanter sind da diejenigen, welche die Grenzen dieses Spiels ausreizen. Es gilt, den Einsatz so geschickt zu dosieren, dass am Ende genau die benötigte Punktzahl erreicht wird. Jede auch noch so geringe Anstrengung, die darüber hinausgeht, wird als verschwenderische Verausgabung der eigenen Kräfte angesehen. Das Anfertigen schriftlicher Hausaufgaben bedeutet eine fast übermenschliche Herausforderung, hingegen wird wohldosiert alle paar Stunden einmal die Hand gehoben, um die entscheidenden Pünktchen für die mündliche Note zu ergattern. In der Zwischenzeit werden weitere Kraftreserven durch Nickerchen oder kleine Imbisse im Unterricht mobilisiert. Man kann ja nie wissen, welchen Herausforderungen man sich am Wochenende stellen muss.
März 5, 2007
Kräfte dosieren
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