Bissiges

Dezember 6, 2013

Sturmschäden

Einsortiert unter: Freizeit — laempel @ 6:52 nachmittags

Xaver ist nun glücklich überstanden, und nach all dem Hype (zwei Tage Schulausfall, Aufforderung an alle, das Haus nicht zu verlassen, da der Untergang Schleswig-Holsteins droht), hat man fast den Eindruck, dass alle ein bisschen enttäuscht sind. Gut, der Wind war schon recht stark, die Dachpfannen haben ordentlich gerüttelt und die ein oder andere ist heruntergefallen. Es gab Einschränkungen beim Bahnverkehr und der ein oder andere Baum ist auch irgendwo auf eine Straße gekippt. Alles nicht schön.

Dennoch hatten es die Reporter bei den gestrigen Brennpunkten und anderen Sondersendungen zum Superorkan eher schwer, die Sendezeit mit Inhalten zu füllen. Da mussten sie sich dramatisch gegen den Wind auf den Deich bei Büsum stellen oder sich die zugigste Ecke des Hamburger Hafens aussuchen, der leider noch nicht überflutet war. Ein netter Nebeneffekt war, dass die Windgeräusche die Worte der Vor-Ort-Reporter dermaßen verzerrten, dass gar nicht mehr auffiel, dass sie nichts zu sagen hatten.

 

 

November 15, 2013

Die Schüler abholen …

Einsortiert unter: Schülerverhalten,Unterricht — laempel @ 5:59 nachmittags
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Ja wo sind sie denn? Anna ist in Gedanken bei dem Chat mit ihrem Freund aus der Oberstufe, den sie wegen des Klingelns abbrechen musste. Mike liegt mit dem Kopf auf dem Tisch, offenbar übermüdet von der nächtlichen Orgie an der Videokonsole und über die Hälfte meldet sich bei der Hausaufgabenabfrage: “Ich wusste nicht, was wir machen sollten.” Die andere Hälfte ist so ehrlich und gibt zu, dass sie die Aufgabe vergessen, also keine Lust gehabt hat.

Als Lehrer soll man die Schüler “da abholen, wo sie stehen”. Das ist eine dieser vom Studium über Referendariat bis zu Fortbildungsveranstaltungen so oft wiederholten Sätze, dass er inzwischen bei nicht wenigen allergische Reaktionen auslöst (geht diese Phrase eigentlich auf Hilbert Meyer zurück?). Allerdings merkwürdig, dass noch niemandem der Widerspruch zur gleichfalls geltenden Doktrin des selbständigen Lernens ins Auge gefallen ist. Beim Abholen nehme ich die Schüler an die Hand und führe sie da hin, wo sie gehen sollen. Und offenbar erwarten sie genau das. Zurückgelehnt in Konsumentenhaltung wird alles abgelehnt, was mehr Anstrengung als einen Mausklick erfordert. Wäre es zur Abwechslung nicht mal vielversprechender, wenn sich unsere Schülerchen selbst in Bewegung setzen und eigene Anstrengungen unternehmen würden, sich dem Lerngegenstand zu nähern?

(OK, OK, es gibt auch andere und dann macht das Unterrichten Spaß, aber wenn sich in einer Klasse eine kritische Masse an Konsumenten — in Verbindung mit den passenden Eltern — befindet, dann wird es schwierig. Es stellt sich ein Gefühl ein, als ob man versucht, den Grand Canyon hinaufzuschwimmen, wobei von oben immer wieder Felsbrocken in die Strömung geworfen werden.)

August 11, 2013

Pädagogische Angelegenheiten

Einsortiert unter: Schulpolitik — laempel @ 1:45 nachmittags

Dank der Innovationskraft unserer Bildungsministerin Wara Wende wird Schleswig-Holstein innerhalb kürzester Zeit in die obere Bildungsliga aufsteigen (nachdem es laut Bildungsmonitor 2012 auf dem letzten Rang gelandet ist). Nicht nur die Reform der Lehrerbildung wird für eine immense Attraktivitätssteigerung sorgen — abgesehen vom Bildungsvorreiter Bremen bildet nur SH künftig Stufenlehrer aus (zugegeben, auch BW beschäftigt sich derzeit mit diesem Modell). Weg mit den alten Zöpfen der schulartbezogenen Ausbildung. Der Lehrerberuf wird zum Breitensport, in dem jeder  von allem ein bisschen können muss. Die Interessenten stehen jetzt schon Schlange; die Hochschulen können sich vor Bewerbern aus anderen Bundesländern nicht mehr retten.

Die zweite bahnbrechende Neuerung erfolgt aufgrund des Prinzips, dass Sprache das Denken und letztlich das Handeln verändert. Im Entwurf des neuen Schulgesetzes liegen die Aufgaben der Schule nicht mehr in Bildung und Erziehung, nein, wir alle an der Schule Tätigen sind von nun an mit “pädagogischen Angelegenheiten” befasst. Auf lange Sicht wird dies zu einer enormen Verbesserung der Unterrichtsqualität führen. Welch visionäre Gestaltungskraft wohnt diesem Begriff inne, der uns alle zu Höchstleistungen anspornen wird!

März 19, 2013

Sponsoring

Einsortiert unter: Arbeitsbedingungen,Schulpolitik — laempel @ 10:28 nachmittags
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Alle Welt regt sich über Ärzte auf, deren Kongresse und Fortbildungen von der Pharmaindustrie gefördert werden. Und nicht erst seit  den unseligen Vorgängen um unseren Ex-Bundespräsidenten wird  Politikern generell unterstellt, dass sie sich von Lobbyisten aushalten lassen. Man sollte also meinen, dass alles unternommen würde, damit Lehrer von Werbe-Aktivitäten unabhängig bleiben. Schließlich ist Werbung aus der Schule herauszuhalten.

In einer idealen Welt wäre dies der Fall, doch die Tendenz geht seit längerem in die entgegengesetzte Richtung. Dass Lehrer von Frei-Exemplaren und Prüfangeboten der Verlage profitieren, ist noch die harmloseste Form von Marketing. Immerhin kann man selbst entscheiden, von welchem Verlag man die Angebote annimmt. Bedenklicher ist schon, dass die großen Schulbuchverlage in den letzten Jahren verstärkt Fortbildungsangebote zu lehrplanrelevanten Themen anbieten. Hier wird — analog zu den oben erwähnten Ärztekongressen, nur nicht ganz so luxuriös — zu kostenlosen Tagungen eingeladen, auf denen die entsprechenden Medien des Verlags und deren Einsatz im Unterricht vorgestellt werden.

Letztlich weiß man jedoch als Teilnehmer, worauf man sich hier einlässt. Keiner erwartet auf einer solchen Veranstaltung, dass auch die ebenso guten Produkte des Konkurrenzverlags präsentiert werden. Wenn man also diese Gelegenheit nutzt, um sich einen Einblick in ein Thema zu verschaffen und möglichst mit Ansichtsexemplaren der Materialien versorgt nach Hause zu gehen, ist es nicht sonderlich problematisch, solange man für Alternativen und unabhängige Materialien offen bleibt. Das größte Problem besteht darin, dass diese Veranstaltungen auf eine so große Resonanz zu stoßen scheinen, dass sie sich für die Verlage lohnen. Immerhin stehen sie in Konkurrenz zu den öffentlichen Fortbildungsangeboten, die längst nicht alle ausgebucht sind. Liegt das nun an der Qualität oder an der Abstaubermentalität der Lehrkräfte?

Zumindest das IQSH in Schleswig-Holstein ist offenbar der Meinung, dass es mit Hilfe der Verlage die Qualität seiner Fortbildungsangebote steigern kann. Wie sonst ist es zu erklären, dass es sich — zumindest im Fachbereich Englisch — immer wieder Verlagsvertreter ins Haus holt, sodass sich eine Fortbildung z.B. mit dem Titel “Einsatz von Medien im Englischunterricht” als Buchvorstellung entpuppt, in der vom Autor oder einem Verlagsreferenten ein Lehrwerk eines bestimmten Verlages vorgestellt wird. Die Rolle des IQSH-Referenten besteht darin, zu Beginn den Gast zu begrüßen, sich abschließend zu bedanken und auf die Materialien des Verlags hinzuweisen. Weitergehende Informationen zu diesem Thema, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Material oder gar Aufzeigen möglicher Alternativen — Fehlanzeige.

Dass diese Veranstaltungen  ernsthaft als Fortbildungen angeboten werden, wirft ein interessantes Licht auf den Stellenwert, den Weiterbildung von ganz offizieller Seite aus im Lehrerberuf einnimmt: Die Qualität ist egal, Hauptsache wir bieten überhaupt etwas an. Dafür, dass sie sich einen Überblick über ein Thema verschaffen, haben die Lehrkräfte selbst zu sorgen.

Februar 19, 2011

Karl-Theodor-Ich-habe-mir-nichts-vorzuwerfen-Guttenberg

Einsortiert unter: Politik,Schülerverhalten — laempel @ 2:10 nachmittags
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Ist das nicht herrlich? In Afghanistan sterben (nicht nur) deutsche Soldaten, die Bundeswehr (und mit ihr die Bundeswehrstandorte) steht vor der größten Umstrukturierung ihrer Geschichte, und die Öffentlichkeit muss sich damit auseinandersetzen, ob der Verteidigungsminister geschummelt hat.

Interessant ist an dieser ganzen Geschichte das Verteidungsmuster, in das der Freiherr jedesmal verfällt, wenn es darum geht, persönlich Verantwortung zu übernehmen. So z.B. in der Kundus-Affäre, in der mindestens 90 Zivilisten bei dem von Deutschen angeordneten Angriff auf von Taliban gestohlene Tanklastzüge ums Leben kamen. Erste Reaktion: “Ich stelle mich medienwirksam hinter meine Truppe, indem ich erkläre, dass dieser Angriff militärisch notwendig war.”  Zweite Reaktion, als  diese Sichtweise nicht mehr zu halten ist: “Wie komme ich da wieder raus? Ach ja — mir sind Informationen vorenthalten worden; dann müssen natürlich Köpfe rollen, aber es ist immerhin nicht meiner.” (Jedem Lehrer ist dieser Reflex sattsam bekannt: “Die Hausaufgaben konnte ich nicht machen, mir hat keiner gesagt, was auf war.”)

Man vergleiche seine Reaktionen zu den Plagiatsvorwürfen: Zunächst erst einmal Stillschweigen; schließlich hat man als Verteidigungsminister Wichtigeres zu tun. Wahrscheinlich war sein erster Impuls, ähnlich wie in der Kundus-Affäre zu verfahren: “Für die Fehler in der Doktorarbeit kann ich nichts, schließlich wurde sie von XY geschr… Upps.”

Deshalb nun eine neue Strategie,  eine Presse-Erklärung vor ausgewählten Journalisten: Sehr schön zunächst der medienwirksame Einfall, den Doktortitel “ruhen” zu lassen — so zeigt man Initiative! Aber auch die vorgeschaltete Erklärung hat es in sich: Ja, er habe Fehler gemacht; er bedauere jeden einzelnen zutiefst, aber seine Arbeit sei kein Plagiat. Bei so einer umfangreichen Arbeit, die  parallel zu seinen Aufgaben als Bundestagsabgeordneter und Familienvater angefertigt wurde (man beachte das Passiv, das er fast durchgehend verwendet), könne schon mal die ein oder andere Fußnote verrutschen.  (Auch hier wieder erstaunliche Parallelen zum Unterrichtsalltag an deutschen Schulen: Was, das halbe Referat ist Copy-and-Paste aus der Wikipedia? Also bei den Anforderungen, die derzeit an Schüler gestellt werden, kann es doch schon mal passieren, dass die Quellenangabe vergessen wurde. Außerdem hat es einem doch niemand richtig gesagt, dass man das so nicht machen darf.)

Abgesehen davon, dass es äußerst schwierig ist zu glauben, dass bei all den Passagen, die auf GuttenPlag aufgelistet wurden, die Quellenangaben durch den Druckfehlerteufel verschwunden sind, muss man sich fragen, wie jemand mit einem so ostentativ zur Schau gestellten Nichwissen in Bezug auf wissenschaftliches Arbeiten überhaupt bis zur Promotion gelangt ist: Doch, es ist ein Plagiat, wenn ich Zitate dieses Umfanges nicht kenntlich mache. Und wenn ich zu blöd dazu bin, dann fehlt mir schlicht und einfach die Eignung zum Studium.

Aber so kann man das natürlich nicht sehen. Ja, man hat Fehler gemacht. Ja, diese Fehler sind bedauerlich, aber in der Summe kann man dies doch dem armen Karl-Theodor nicht vorwerfen. Schließlich hat er sich zu der Zeit in äußerst schwierigen Lebensumständen befunden. Durch diese Argumentationsweise hat unser guter KT der Bedeutung “Verteidigungsminister”  eine interessante neue Dimensionen hinzugefügt, die ihm Generationen von Schülern danken werden.

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